Projekt

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Igor Strawinskys Ballettwerk: Entstehung und Konzeption als interdisziplinäres Projekt

Gesuchsteller/in Schmidt Matthias
Nummer 137812
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Musikwissenschaftliches Seminar Universität Basel
Hochschule Universität Basel - BS
Disziplinen Musikologie
Beginn/Ende 01.02.2013 - 31.01.2016
Bewilligter Betrag 173'747.00
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Keywords (5)

Musicology, Dance research, Music Analysis, Source Studies, Choreography

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Lay summary

Igor Strawinskys Ballettwerk. Entstehung und Konzeption als interdisziplinäres Projekt

Lay summary

Igor Strawinsky gilt als der herausragende Ballettkomponist des 20. Jahrhunderts. Seine Beschäftigung mit dem Ballett zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk und prägt dasselbe wie bei keinem anderen Komponisten des 20. Jahrhunderts – und das, obwohl Strawinsky sich musikalisch immer wieder neuen Stilen zuwendet. Während seine drei bekanntesten Ballette L’oiseau de feu (1910), Petruschka (1911) und Le sacre du printemps (1913) sowie Les noces (1914-17/1921-23) zur frühen, russischen Periode gehören, wendet er sich mit Pulcinella (1919/20), Apollon musagète (1928), Le baiser de la fée (1928), Jeu de cartes (1936), Scènes de ballets (1944), und Orpheus (1947) auch in seiner zweiten, neoklassizistischen Schaffensperiode verstärkt dem Tanz zu. Sein letztes Werk für das Tanztheater, Agon (1953/1964), ist schließlich seinem dodekaphonen Spätwerk zuzuordnen, das wiederum auf seine Beschäftigung mit der Wiener Schule, insbesondere mit Anton Webern, zurückzuführen ist. Angesichts der zentralen Stellung des Balletts im Werk des Komponisten erstaunt, dass gerade diese Gattung bei Strawinsky nicht adäquat erforscht worden ist – und zwar weder als Instrumentalmusik noch als genuine Tanzmusik.

Das vorliegende Forschungsvorhaben will das Ballettoeuvre Strawinskys detailliert und systematisch untersuchen: Anhand der dazu überlieferten musikalischen und tänzerischen Quellen soll ein Überblick über Strawinskys Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Choreografen bzw. Kostüm-/Bühnenbildnern geschaffen werden; die Ballette Le sacre du printemps (Vaslav Nijinsky), Les noces (Bronislava Nijinska) und Orpheus (George Balanchine) werden dabei als Fallbeispiele fungieren. Aufgrund des umfangreichen und heterogenen Quellenbestands wird sich das Projekt zunächst einer Typologisierung der bedeutsamen Quellen widmen; im Zentrum der Untersuchung wird dann der interaktive Aspekt zwischen Komponist, Choreograf und gegebenenfalls Kostüm-/Bühnenbildner im Entstehungsprozess der Werke stehen.

Ausgangshypothese ist, dass Strawinsky maßgeblich am Bühnengeschehen beteiligt war, den Tanz bereits im kompositorischen Prozess mitdachte und die Werke in regem Austausch zwischen den beteiligten Künstlern entstanden. Mit der Berücksichtigung dieser Interdependenz kann ein neues Licht auf Strawinskys kompositorische und konzeptionelle Herangehensweise an jene Tanzgattung geworfen werden. Neben der Neuperspektivierung von Strawinskys Schaffensprozess wird diese Arbeit – hinsichtlich der Bedeutung des Tanzes im Gesamtwerk des Komponisten und aufgrund der Interdisziplinarität der Fragestellung – auch der Ballett- und Tanz-Forschung dienen. Dabei steht es außer Frage, dass jedes der drei ausgewählten Werke – aufgrund der zeitlichen und räumlichen Entstehungsdistanz – in einem je verschiedenen historischen Kontext gesehen werden muss und eine generalisierbare Aussage in Bezug auf Strawinskys Tanzschaffen daher nicht möglich sein kann. Dies ist auch nicht Ziel des Projekts; vielmehr sollen die besagten drei Ballette als Gegenstand für diachrone Schnitte in Strawinskys Ballettwerk betrachtet werden, um eine Aussage darüber zu treffen, in welchem Verhältnis Strawinsky zum Ballett als Gattung und Werk steht und in welcher Weise die Interdependenz zwischen Komponist, Choreograf und Bühnen-/Kostümbildner im Entstehungsprozess des Werkes analytisch fruchtbar gemacht werden kann.

Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 21.02.2013

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Publikationen

Publikation
Des Zauberkünstlers Marionetten: Igor' Stravinskijs Pétrouchka im Kontext der Theaterreformbewegung um 1900
Zickgraf Leila (2015), Des Zauberkünstlers Marionetten: Igor' Stravinskijs Pétrouchka im Kontext der Theaterreformbewegung um 1900, in Musiktheorie. Zeitschrift für Musikwissenschaft, (3), 245-256.

Zusammenarbeit

Gruppe / Person Land
Felder der Zusammenarbeit
Russische Staatsbibliothek, Moskau Russland (Europa)
- Forschungsinfrastrukturen
Staatliche Tretjakov-Galerie (Archiv) Russland (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Forschungsinfrastrukturen
Library of Congress (Music Division), Washington, D.C. Vereinigte Staaten von Amerika (Nordamerika)
- Forschungsinfrastrukturen
Deutsches Historisches Institut, Moskau Russland (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Forschungsinfrastrukturen
Staatsbibliothek zu Berlin Deutschland (Europa)
- Forschungsinfrastrukturen
Houghton Library (Harvard Theatre Collection), Cambridge, Massachusetts Vereinigte Staaten von Amerika (Nordamerika)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Forschungsinfrastrukturen
Rare Book and Manuscript Library, Columbia University Vereinigte Staaten von Amerika (Nordamerika)
- Forschungsinfrastrukturen
Paul Sacher Stiftung, Basel Schweiz (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Forschungsinfrastrukturen
New York Public Library for the Performing Arts Vereinigte Staaten von Amerika (Nordamerika)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Forschungsinfrastrukturen

Wissenschaftliche Veranstaltungen

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Datum Ort
Projektwoche Strawinsky / Ravel - 1911 (Hochschule für Musik Basel) Einzelvortrag 15.10.2015 Basel, Schweiz
Forschungskolloquium des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Basel Einzelvortrag 09.06.2015 Basel, Schweiz
Forschungskolloquium des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Basel Einzelvortrag 12.11.2014 Basel, Schweiz
Forschungskolloquium am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern Einzelvortrag 10.11.2014 Bern, Schweiz
Stipendiatentag des Deutschen Historischen Instituts Moskau Einzelvortrag 15.05.2014 Moskau, Russland
Forschungskolloquium am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern Einzelvortrag 06.05.2014 Bern, Schweiz
Wahn und Widersinn (Tagung des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Bern) Vortrag im Rahmen einer Tagung 12.09.2013 Bern, Schweiz
International Diaghilev Festival Vortrag im Rahmen einer Tagung 27.05.2013 Perm, Russland
Forschungskolloquium des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Basel Einzelvortrag 27.03.2013 Basel, Schweiz


Veranstaltungen zum Wissenstransfer

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Datum Ort
Entdeckerkonzert "Skandal!" des Sinfonieorchesters Basel Performances, Ausstellungen (z.B. für Bildungsinstitute) 30.10.2013 Basel, Schweiz


Kommunikation mit der Öffentlichkeit

Kommunikation Titel Medien Ort Jahr
Print (Buch, Brochuren, Infoblätter) Skandal 1913 (Broschüre zum Konzert des Sinfonieorchesters Basel vom 30.10.2013, 67 S.) Deutschschweiz 2013
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Skandal 1913 (Textbeitrag) in: Programmheft zum Konzert des Sinfonieorchesters Basel vom 30.10.2013, S. 15-18 Deutschschweiz 2013

Auszeichnungen

Titel Jahr
Doktorandenstipendium des Deutschen Historischen Instituts Moskau für einen Forschungsaufenthalt in Moskau für einen Zeitraum von drei Monaten. 2014
Doktorat Abschlussfinanzierung des Forschungsfonds der Universität Basel zur Förderung exzellenter Nachwuchsforschender für einen Zeitraum von sechs Monaten. 2015

Verbundene Projekte

Nummer Titel Start Förderungsinstrument
152927 Concepts of improvisation and their impact on early 20th century art music 01.04.2014 Projektförderung (Abt. I-III)

Abstract

1. Zusammenfassung des Forschungsplans Igor Strawinsky gilt als der herausragende Ballettkomponist des 20. Jahrhunderts. Seine Beschäftigung mit dem Ballett zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk und prägt dasselbe wie bei keinem anderen Komponisten des 20. Jahrhunderts – und das, obwohl Strawinsky sich musikalisch immer wieder neuen Stilen zuwendet. Während seine drei bekanntesten Ballette Feuervogel (1910), Petruschka (1911) und Le Sacre du Printemps (1913) sowie Les Noces (1914-17/1921-23) zur frühen, russischen Periode gehören, wendet er sich mit Pulcinella (1919/20), Apollon musagète (1928), Le baiser de la fée (1928), Jeu de Cartes (1936), Scènes de ballets (1944), und Orpheus (1947) auch in seiner zweiten, neoklassizistischen Schaffensperiode verstärkt dem Tanz zu. Sein letztes Werk für das Tanztheater, Agon (1953/1964), ist schließlich seinem dodekaphonen Spätwerk zuzuordnen, das wiederum auf seine Beschäftigung mit der Wiener Schule, insbesondere mit Anton Webern, zurückzuführen ist. Angesichts der zentralen Stellung des Balletts im Werk des Komponisten erstaunt, dass gerade diese Gattung bei Strawinsky nicht adäquat erforscht worden ist – und zwar weder als Instrumentalmusik noch als genuine Tanzmusik. Das vorliegende Forschungsvorhaben will das Ballettœuvre Strawinskys detailliert und systematisch untersuchen: Anhand der dazu überlieferten musikalischen und tänzerischen Quellen soll ein Überblick über Strawinskys Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Choreographen bzw. Kostüm-/Bühnenbildnern geschaffen werden; die Ballette Le Sacre du Printemps (Vaslav Nijinsky), Les Noces (Bronislava Nijinska) und Orpheus (George Balanchine) werden dabei als Fallbeispiele fungieren. Aufgrund des umfangreichen und heterogenen Quellenbestands wird sich das Projekt zunächst einer Typologisierung der bedeutsamen Quellen widmen; im Zentrum der Untersuchung wird dann der interaktive Aspekt zwischen Komponist, Choreograph und gegebenenfalls Kostüm-/Bühnenbildner im Entstehungsprozess der Werke stehen. Ausgangshypothese ist, dass Strawinsky maßgeblich am Bühnengeschehen beteiligt war, den Tanz bereits im kompositorischen Prozess mitdachte und die Werke in regem Austausch zwischen den beteiligten Künstlern entstanden. Mit der Berücksichtigung dieser Interdependenz kann ein neues Licht auf Strawinskys kompositorische und konzeptionelle Herangehensweise an jene Tanzgattung geworfen werden. Neben der Neuperspektivierung von Strawinskys Schaffensprozess wird diese Arbeit – hinsichtlich der Bedeutung des Tanzes im Gesamtwerk des Komponisten und aufgrund der Interdisziplinarität der Fragestellung – auch der Ballett- und Tanz-Forschung dienen. Dabei steht es außer Frage, dass jedes der drei ausgewählten Werke – aufgrund der zeitlichen und räumlichen Entstehungsdistanz – in einem je verschiedenen historischen Kontext gesehen werden muss und eine generalisierbare Aussage in Bezug auf Strawinskys Tanzschaffen daher nicht möglich sein kann. Dies ist auch nicht Ziel des Projekts; vielmehr sollen die besagten drei Ballette als Gegenstand für diachrone Schnitte in Strawinskys Ballettwerk betrachtet werden, um eine Aussage darüber zu treffen, in welchem Verhältnis Strawinsky zum Ballett als Gattung und Werk steht und in welcher Weise die Interdependenz zwischen Komponist, Choreograph und Bühnen-/Kostümbildner im Entstehungsprozess des Werkes analytisch fruchtbar gemacht werden kann. Das beantragte Forschungsvorhaben wird in erheblichem Maße von der Nähe zur Paul Sacher Stiftung (Basel) profitieren, in der die weltweit größte Strawinsky-Sammlung beheimatet ist. Außerdem bietet das Musikwissenschaftliche Institut der Universität Basel mit seinem Schwerpunkt auf der Musik des 20. Jahrhundert die optimalen Bedingungen für einen fruchtbaren wissenschaftlichen Austausch auf diesem Gebiet.