Project

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Exegetischer Kommentar zu den Esther-Büchern

English title An Exegetical Commentary to the Books of Esther
Applicant Uehlinger Christoph
Number 137698
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Religionswissenschaftliches Seminar Theologische Fakultät Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.01.2012 - 30.06.2012
Approved amount 52'515.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Religious studies, Theology
Other languages and literature

Keywords (6)

Books of Esther; Hebrew Bible/Greek Old Testament; intertextuality; Judaism and Christianity; gender; exegetical commentary

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

The Books of Esther: an exegetical commentary

Exegetischer Kommentar über die Esther-Bücher

Das biblische Buch Esther handelt davon, wie dank des Engagements der Protagonistin, der jüdischen Gemahlin eines persischen Königs, das jüdische Volk der Gefahr der Ausrottung entrinnen konnte. Die hebräische Fassung der legendarischen Erzählung hat im Judentum als Festrolle des Purimfests bis heute große Bedeutung. Neben dieser Textform, auf die sich in der christlichen Tradition die protestantischen Kirchen beziehen, existiert jedoch seit der Antike eine deutlich längere, griechische Textfassung ebenfalls jüdischer Herkunft, die für die altkirchliche (katholisch und orthodox rezipierte) Tradition kanonischen Status erlangt hat. Vier mittelalterliche Handschriften bezeugen zudem eine kürzere griechische Textform.

Die drei Textformen weichen nicht nur hinsichtlich der literarisch-narrativen Bearbeitung des Themas voneinander ab, sie setzen auch theologisch unterschiedliche Akzente. Seit den 1980er-Jahren sind die einzelnen Fassungen und ihr Verhältnis zueinander insbesondere im angelsächsischen Raum Gegenstand intensiver Diskussionen geworden. In der exegetischen Kommentarliteratur werden diese Debatten aber nur ungenügend reflektiert. Die Kommentare stellen entweder allein den hebräischen Text ins Zentrum; oder sie widmen sich den „Zusätzen“ der griechischen Langfassung, ohne diese in ihrem genuinen literarischen Zusammenhang zu kommentieren. Beide Darstellungsweisen können den aktuellen Forschungsstand nicht angemessen wiedergeben.

Das vorliegende Projekt will demgegenüber neue Wege gehen. Dem Programm der renommierten Reihe „Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament“ entsprechend wird der Fokus auf die Endtexte und deren Rezeptionen gerichtet, damit auch die jüdischen und christlichen Auslegungstraditionen in den Blick genommen. Die Interpretation soll den unterschiedlichen Profilen der verschiedenen Estherbücher Rechnung tragen und sie intertextuell zueinander in Beziehung setzen. Für die hebräische Textfassung wird der Kommentar der jüdischen Exegetin Adele Berlin zugrunde gelegt, für die griechischen Textfassungen ein eigener Kommentar verfasst.

Neue Akzente sollen zudem durch die Berücksichtigung feministisch-exegetischer Fragestellungen gesetzt werden. Dass in der Estherliteratur Sexismus und die Idealisierung einer Königin Hand in Hand gehen, hat schon früh zu feministischen Auseinandersetzungen mit den Texten Anlass gegeben. Der Kommentar soll auch die Lesarten und Erkenntnisse dieser neueren Auslegungstradition zur Sprache bringen.

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Forschungssymposion der "lectio difficilior. Europäische elektronische Zeitschrift für feministische Exegese" 01.06.2012 Blatten VS, Schweiz
Forschungskolloquium Antikes Judentum 23.01.2012 Zürich, Schweiz


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
126862 Exegetischer Kommentar zu den Esther-Büchern 01.01.2010 Project funding (Div. I-III)
126862 Exegetischer Kommentar zu den Esther-Büchern 01.01.2010 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Das vorliegende Gesuch stellt einen Verlängerungsantrag für das Projekt Nr. 100011-126862 („Exegetischer Kommentar zu den Esther-Büchern“; Laufzeit: Januar 2010 bis Dezember 2011) um ein Jahr (Januar bis Dezember 2012). Das biblische Buch Esther handelt (legendarisch) davon, wie das jüdische Volk im persischen Reich zur Zeit eines Königs Artaxerxes dank des Einsatzes der Königsgattin Esther, ihrerseits Jüdin, vor einer geplanten Ausrottung bewahrt blieb. Das Purimfest soll jährlich an diese Rettung erinnern. Für das Judentum und für die protestantischen Kirchen ist die Schrift in ihrer hebräischen Fassung zur autoritativen Fassung geworden. Seit der Antike existiert daneben eine deutlich längere griechische Textfassung (die sog. Septuaginta-Version), die für die altkirchliche (katholisch und orthodox rezipierte) Tradition kanonischen Status erlangte. Vier mittelalterliche Handschriften bezeugen eine dritte, nicht weiter rezipierte Textversion (ebenfalls griechisch). Die drei antiken Textformen (als vierte wäre eine altlateinische zu nennen) weichen hinsichtlich ihrer literarisch-narrativen Bearbeitung des Themas beträchtlich voneinander ab und setzen theologisch unterschiedliche Akzente. Die Estherforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit diesen unterschiedlichen Textfassungen beschäftigt. Die einzelnen Textversionen und ihr Verhältnis zueinander wurden Gegenstand intensiver Diskussionen. In die Kommentarliteratur flossen die daraus resultierenden Forschungsergebnisse aber erst in ungenügendem Maß ein. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass für Kommentarreihen (vornehmlich protestantischer oder jüdischer Provenienz) in der Regel allein die hebräische Textversion bearbeitet wird. Einzelne Kommentare widmen sich separat den „Zusätzen“ der Septuagintafassung, ohne deren genuinen literarischen Zusammenhang zu präsentieren. Die Existenz verschiedener Textformen wird zwar meist einleitend erwähnt und evt. für Hypothesen zur Entstehung bzw. zum Wachstum der Schrift genutzt; doch bleibt die Textformenvielfalt danach für die Auslegung weitgehend unerheblich und folgenlos. Das vorliegende Forschungsprojekt geht in mehrerer Hinsicht neue Wege. Neben der hebräischen werden auch beide griechischen Textversionen in Übersetzung präsentiert, kommentiert und im Rahmen der aktuellen Forschungsdebatten diskutiert. Der Kommentar wird in der renommierten Reihe Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament (HThKAT; begründet durch Prof. Dr. Erich Zenger) erscheinen. Es entspricht dem theologischen Anliegen der Reihe und einem dezidiert ereligionswissenschaftlichen Interesse, bei der Kommentierung konsequent der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die verschiedenen Textformen in verschiedenen religiösen Traditionen rezipiert worden sind und weiter tradiert werden. Die hebräische Fassung soll daher zunächst als Teil des jüdischen Kanons gelesen und interpretiert werden. Für diesen Teil wird eine deutsche Übersetzung des von Prof. Dr. Adele Berlin (University of Maryland, MD/USA) für die Jewish Publication Society verfassten, 2001 erschienenen Kommentars zugrunde gelegt, inhaltlich um Aspekte erweitert, die bei der Gegenüberstellung mit den griechischen Textformen thematisiert werden müssen, und bibliographisch aktualisiert. Auch mit dem Konzept eines intertextuell angelegten Kommentars, in dem eine jüdische Exegetin aus den USA den hebräischen Text und eine europäische Exegetin die griechischen Fassungen interpretiert, versucht das Projekt, im Rahmen der formal eher konservativ und oft redundanten Textgattung Kommentar einen innovativen Akzent zu setzen. Das Projekt ist im ersten Jahr gut angelaufen, die angepeilten Ziele konnten erreicht werden. Allerdings stellte sich auch heraus, dass einige Arbeitsschritte aufwändiger als erwartet sind. Zum Teil hängt dies mit konzeptionellen Entscheidungen zusammen, die in der Anfangsphase gefällt wurden (Co-Autorenschaft bei der Einleitung; starke Gewichtung - aus textgeschichtlichen Gründen - nicht nur des griechischen Septuagintatextes, sondern auch der unrezipiert gebliebenen Griechischfassung). Um das Kommentarprojekt mit der gebotenen wissenschaftlichen Sorgfalt einem guten Ende zuführen zu können, wird daher eine Projektverlängerung um ein Jahr angestrebt (Januar bis Dezember 2012). Aufgrund der bereits geleisteten Arbeit und der Bedeutung des Projektes würde sich eine solche Verlängerung aus Sicht des Projektverantwortlichen und der Projektbearbeiterin unbedingt auszahlen.
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