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Den Eidgenossen zugewandt. Aspekte und Implikationen eines bündnispolitischen Status in der alten Eidgenossenschaft am Beispiel der Stadt Biel

Applicant Holenstein André
Number 137476
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Historisches Institut Philosophisch-historische Fakultät Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Swiss history
Start/End 01.01.2012 - 31.12.2014
Approved amount 181'446.00
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Keywords (4)

Politische Organisation föderaler Systeme; Zugewandte Orte; Schweizer Geschichte; Biel

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Lay Summary

Die alte Eidgenossenschaft war ein komplexes Gebilde von untereinander vielfältig verbundenen Städten, Ländern und Herrschaften, die sich gemäss ihrer Stellung im Geflecht in Orte, Zugewandte Orte und Gemeine Herrschaften einteilen lassen. Die historische Forschung zur Schweizer Geschichte konzentrierte sich bisher dabei vor allem auf die XIII Orte, in geringerem Masse auch auf die Gemeinen Herrschaften. Der Rolle der Zugewandten Orte im eidgenössischen Bündnissystem, ihren Beziehungen zu ihren Verbündeten, den eidgenössischen Orte und der Eidgenossenschaft als Ganzes, wurde nur wenig Beachtung geschenkt.

Da die jeweils besondere Stellung der einzelnen Zugewandten Orte innerhalb des Corpus Helveticum und deren unterschiedliche Verbundenheit mit den XIII Orten allgemeine Aussagen schwierig machen, sind insbesondere exemplarische Fallstudien zum Status der Zugewandten Orte in der Alten Eidgenossenschaft erforderlich.

Die Stadt Biel war einer dieser Zugewandten Orte und gilt wegen ihrer dauerhaften und allgemeinen Anerkennung in ihrem Status als „Zugewandter Ort im engeren Sinne“. Gleichzeitig war Biel aber auch Untertanenstadt des Basler Fürstbischofs.

Das SNF-Projekt untersucht Biels Status als Zugewandter Ort in verschiedenen Hinsichten: einerseits soll die praktische Umsetzung des rechtlichen Status in der politischen Praxis erforscht werden, andererseits die Bedeutung, die dem Status zugeschrieben wurde. Und schliesslich wird auch untersucht, welche Rolle die Vergangenheit als Zugewandter Ort in der Identitätskonstruktion und dem Geschichtsbild der Bieler im 19. und 20. Jahrhundert spielte.

Die Fallstudie wird so wesentlich zu einem besseren Verständnis des bündnisrechtlichen und –politischen Gesamtsystems der Alten Eidgenossenschaft beitragen können.

 

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Name Institute

Publications

Publication
Landesherrlicher Absolutismus und lokaler Widerstand
Jordi Antonia (2013), Landesherrlicher Absolutismus und lokaler Widerstand, in Stadt Biel (ed.), Hier+Jetzt, Baden, 366-397.
Museum Schwab. Eine Sammlung, eine Idee und steter Wandel
Hafner Albert, Jan Nicole, Jordi Antonia, Wick-Werder Margrit (2013), Museum Schwab. Eine Sammlung, eine Idee und steter Wandel.
Nach dem Badener Vertrag
Jordi Antonia (2013), Nach dem Badener Vertrag, in Stadt Biel (ed.), Hier+Jetzt, Baden, 268-285.
Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Zeit des Dreissigjährigen Kriegs
Jordi Antonia (2013), Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Zeit des Dreissigjährigen Kriegs, in Stadt Biel (ed.), Hier+Jetzt, Baden, 286-329.
Unter dem Regiment der Besten
Jordi Antonia (2013), Unter dem Regiment der Besten, in Stadt Biel (ed.), Hier+Jetzt, Baden, 330-364.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Gersau 1814-2014. Geschichte gestalten. Talk given at a conference Biels Traum vom eigenen Kanton (Wiener Kongress 1814) 21.03.2014 Gersau, Switzerland Jordi Antonia; Holenstein André;


Abstract

Die alte Eidgenossenschaft war ein komplexes Gebilde von untereinander vielfältig verbundenen Städten, Ländern und Herrschaften, die sich gemäss ihrer Stellung im Geflecht in Orte, Zugewandte Orte und Gemeine Herrschaften einteilen lassen. Die historische Forschung zur Schweizer Geschichte und auch Einzelstudien konzentrierten sich dabei vor allem auf die XIII Orte, in geringerem Masse auch auf die Gemeinen Herrschaften. Den Zugewandten Orten als solchen wurde nur wenig Beachtung geschenkt. So erstaunt es auch nicht, dass die Zugewandten Orte - als „Gebiete, die zur Eidgenossenschaft gezählt wurden, ohne Orte oder Gemeine Herrschaften zu sein“ (Andreas Würgler) - bisher hauptsächlich negativ über ihren fehlenden Status als vollberechtigte Orte definiert worden sind. Die jeweils besondere Stellung der einzelnen Zugewandten Orte innerhalb des Corpus Helveticum und deren unterschiedliche Verbundenheit mit den XIII Orten machen allgemeine Aussagen schwierig. Umso mehr sind exemplarische Fallstudien zum Status der Zugewandten Orte in der alten Eidgenossenschaft erforderlich, die zu einem besseren Verständnis des bündnisrechtlichen und -politischen Gesamtsystems der alten Eidgenossenschaft beitragen können. Die Stadt Biel gehörte zur Gruppe der Zugewandten Orte und war im Gegensatz etwa zu Mülhausen, Genf oder zum Fürstbischof von Basel in diesem Status von den Orten allgemein bis zum Ende des Ancien Régime akzeptiert. Sie hat diese bündnispolitische Sonderstellung vor allem für die Behauptung ihrer weitgehenden Freiheiten gegenüber dem Basler Fürstbischof als Stadt- und Landesherrn genutzt. Die Studie soll die Bedeutung von Biels Status als Zugewandter Ort in verschiedenen Hinsichten untersuchen. Welche Rolle(n) spielte die Stadt Biel als Zugewandter Ort auf eidgenössischer Ebene, insbesondere an der Tagsatzung? Wie war ihr Verhältnis zu ihren Verbündeten (Bern, Solothurn und Freiburg) und zur Eidgenossenschaft als Ganzes beschaffen? Wie beurteilten diese den Status der Stadt? Wie ging der Basler Fürstbischof als Stadt- und Landesherr mit der bündnispolitischen Sonderstellung seiner Landstadt um? Welche Handlungsspielräume eröffneten sich Biel aufgrund seiner „Zwitterstellung“ als untertänige Landstadt und als Zugewandter Ort? Welche Bedeutung hatte der Status für die städtische Obrigkeit und die Burgerschaft? Anerkannten auch die auswärtigen Mächte Biel als Teil der Eidgenossenschaft? Welche Rolle spielte die Zugewandtschaft Biels in der Identitätskonstruktion und im Geschichtsbild der Bieler im 19. und 20. Jahrhundert?Die Quellenlage präsentiert sich günstig. Einschlägige Bestände finden sich im Bieler Stadtarchiv, im Archiv des ehemaligen Fürstbistums Basel in Pruntrut, in den Staatsarchiven Bern, Freiburg und Solothurn sowie im Stadtarchiv von Mülhausen (Archives Municipales de la ville de Mulhouse, AMVM). Grössere Bestände des Stadtarchivs Biel und des Archivs des ehemaligen Fürstbistums Basel sind im Rahmen der im Entstehen begriffenen „Neuen Bieler Geschichte / Nouvelle Histoire de Bienne“ bereits gesichtet worden. Weiter sind die Eidgenössischen Abschiede, die Akten der ausländischen, insbesondere der französischen Gesandtschaften sowie die Berichte ausländischer Reisender heranzuziehen.
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