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Menschenwürde und Autonomie - Grenzen der Selbstverfügung

English title Human Dignity and Autonomy - Limits of Self-Ownership
Applicant Schaber Peter
Number 135124
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Ethik-Zentrum Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.08.2011 - 30.09.2014
Approved amount 305'592.00
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All Disciplines (3)

Discipline
Philosophy
Public Health and Health Services
Religious studies, Theology

Keywords (4)

Menschenwürde; Autonomie; Organhandel; Suizidbeihilfe

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Der Begriff der Menschenwürde spielt eine zentrale Rolle in gegenwärtigen Debatten der angewandten Ethik und ist ein wichtiger normativer Bezugspunkt in der rechtlichen Regelung bestimmter Praktiken. Im Gegensatz dazu steht die in der bioethischen Debatte sehr populäre These, dass der Menschenwürdebegriff ohne Verlust durch das Prinzip des Respekts vor der Autonomie von Personen ersetzt werden kann (Substitutionsthese): Entweder werde mit der Forderung, die Menschenwürde von Personen zu achten, nichts anderes als das Autonomieprinzip ausgedrückt; oder der Menschenwürdebegriff bleibe so vage und unspezifisch, dass er zu einer blossen Leerformel verkomme, die sich mit beliebigen Inhalten füllen lasse.

Im geplanten Forschungsprojekt soll die Substitutionsthese einer kritischen Überprüfung unterzogen und für die nähere Bestimmung des Menschenwürdebegriffs fruchtbar gemacht werden. Dafür wird sie mit der restriktiven Verwendungsweise des Menschenwürdebegriffs konfrontiert. In dieser beschränkt das Menschenwürdeprinzip den Bereich, in dem die autonome Zustimmung von Personen normative Autorität hat. Weil Menschenwürde somit der individuellen Selbstverfügung (Autonomie) von Personen Grenzen setzt, wird die Substitutionsthese in Frage gestellt und es wird ein konkreter Anhaltspunkt dafür gegeben, worin der distinkte Gehalt von Menschenwürde liegen könnte.

Die Untersuchung der Substitutionsthese soll anhand von zwei praktischen Kontexten durchgeführt werden, in denen das Menschenwürdeprinzip in restriktiver Weise verwendet wird: der Debatte um die moralische Bewertung des (i) Organhandels und (ii) der Suizidbeihilfe. Diesem Vorgehen liegt die methodische Annahme zugrunde, dass der mögliche Verlust, der durch eine Ersetzung des Menschenwürdeprinzips durch das Autonomieprinzip entsteht, nur im Kontext spezifischer normativer Diskussionen in den Blick gerät.

Das geplante Forschungsprojekt verspricht eine Klärung der durch die Substitutionsthese aufgeworfenen Frage nach dem Verhältnis von Menschenwürde und Autonomie und dadurch eine nähere Bestimmung des distinkten Gehalts des Menschenwürdeprinzips. Darüber hinaus wird erwartet, dass die systematische Diskussion der Substitutionsthese zu einer Aufklärung der normativen Diskussionen in den ausgewählten praktischen Kontexten beiträgt, in denen die Begriffe der Autonomie und der Menschenwürde eine prominente, und häufig sehr unklare, Rolle spielen. 

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Rezension: Michael Rosen: "Dignity"
Muders Sebastian (2013), Rezension: Michael Rosen: "Dignity", in Medical Health Care and Philosophy, 16(4), 996-997.
Rezension: Walter Schweidler: Ueber Menschenwürde
Muders Sebastian (2013), Rezension: Walter Schweidler: Ueber Menschenwürde, in Medical Health Care and Philosophy, 16(3), 630-631.
Macklins Substitutionsthese und der Begriff der Menschenwürde in der Bioethik
Muders Sebastian (2012), Macklins Substitutionsthese und der Begriff der Menschenwürde in der Bioethik, in Ethik in der Medizin, 2013(4 ), 1-14.
Menschenwürde
Schaber Peter (2012), Menschenwürde.
A Social Understanding of Dignity: A Promising Approach in the Organ Selling Debate
Alpinar Zümrüt, A Social Understanding of Dignity: A Promising Approach in the Organ Selling Debate, in Bioethica Forum .
Autonomie als Würde - Zur Bedeutung personaler Autonomie im Begriff der Menschenwürde
Muders Sebastian, Autonomie als Würde - Zur Bedeutung personaler Autonomie im Begriff der Menschenwürde, in Andorno Roberto / Thier Markus (ed.), Dike , Zürich.
Menschenwürde und Selbstverfügung
Schaber Peter, Menschenwürde und Selbstverfügung, in Jahrbuch für Recht und Ethik, 2012(20).
Menschenwürde: ein für die Medizinethik irrelevanter Begriff?
Schaber Peter, Menschenwürde: ein für die Medizinethik irrelevanter Begriff?, in Ethik in der Medizin, 24(4).
Natural Good Theories and the Value of Human Dignity
Muders Sebastian, Natural Good Theories and the Value of Human Dignity, in Cambridge Quarterly of Healthcare Ethics.
Rezension: Brugger/Kirsten: "Human Dignity as a Foundation of Law"
Muders Sebastian, Rezension: Brugger/Kirsten: "Human Dignity as a Foundation of Law", in Zeitschrift für Menschenrechte.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Autonomy and Happiness Talk given at a conference Das gute Leben und das würdevolle Leben 07.11.2014 Graz, Austria Muders Sebastian;
Tagung der Deutschen Gesellschaft für Philosophie Individual talk Assisted Suicide, the Argument from Autonomy, and Human Dignity 29.09.2014 Münster, Germany Muders Sebastian;
Tagung der Society of Applied Philosophy Talk given at a conference Human Dignity and the Argument from the Sanctity of Life 28.06.2014 Oxford, Great Britain and Northern Ireland Muders Sebastian;
13. Workshop "Ethik" Talk given at a conference Die Ethik des Guten und der Begriff der Menschenwürde 19.03.2014 Schmitten-Arnoldshain, Germany Muders Sebastian;
The Role of Human Dignity in Assisted Suicide Talk given at a conference Comment on: Wayne Sumner: Dignity through Thick and Thin 04.02.2014 Zürich, Switzerland Muders Sebastian; Schaber Peter;
World Congress of Philosophy, Universität Athen Talk given at a conference „Human Dignity and the Argument from the Sanctity of Life“ 04.08.2013 Athen, Greece Muders Sebastian;
Kooperationstreffen UFSP Ethik und Graduiertenkolleg Tübingen Talk given at a conference Naturrechtliche Theorien der Würde und die Debatte um Sterbehilfe 01.12.2012 Tübingen, Germany Muders Sebastian;
Meeting the Author: Ruth Faden and Madison Powers Talk given at a conference Social Justice and the Commercialisation of Organs 04.06.2012 Zürich, Schweiz, Switzerland Alpinar Zümrüt;
Winter School: Ethical Theory and Moral Practice, The Netherlands School for Research in Practical Philosophy Individual talk Organ Trade and Human Dignity 19.03.2012 Utrecht, Niederlande, Netherlands Alpinar Zümrüt;


Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved
Philo Cafe Winterthur, Begegnungszentrum der Katholischen Kirche 08.07.2014 Winterthur, Switzerland Muders Sebastian;
"Ethik-Höck" der Alumni Vereinigung des Nachdiplomstudiengangs ASAE (Zürich) 04.03.2014 Zürich, Switzerland Muders Sebastian;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
137970 Human Dignity and Moral Rights 01.11.2011 Project funding (Div. I-III)
111768 Das Instrumentalisierungsverbot - Sein Gehalt, seine Tragweite und seine Begründung 01.07.2006 Project funding (Div. I-III)
163111 Würde als Wert 01.04.2016 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Der Begriff der Menschenwürde spielt eine zentrale Rolle in gegenwärtigen Debatten der angewandten Ethik und ist ein wichtiger normativer Bezugspunkt in der rechtlichen Regelung bestimmter Praktiken. Im Gegensatz dazu steht die in der philosophischen Debatte weit verbreitete Auffassung, dass der Menschenwürdebegriff verzichtbar ist. Eine besonders in der bioethischen Debatte sehr prominente These lautet dabei, dass der Menschenwürdebegriff ohne Verlust durch das Prinzip des Respekts vor der Autonomie von Personen ersetzt werden kann (Substitutionsthese): Entweder werde mit der Forderung, die Menschenwürde von Personen zu achten, nichts anderes als das Autonomieprinzip gemeint. Oder der Menschenwürdebegriff bleibe so vage und unspezifisch, dass er zu einer blossen Leerformel verkomme, die sich mit beliebigen Inhalten füllen lasse. Im geplanten Forschungsprojekt soll diese Substitutionsthese einer kritischen Überprüfung unterzogen und für eine mögliche nähere Bestimmung des Menschenwürdebegriffs fruchtbar gemacht werden. Dafür wird die Substitutionsthese mit der restriktiven Verwendungsweise des Menschenwürdebegriffs konfrontiert. In dieser Verwendungsweise soll Menschenwürde den Bereich beschränken, in dem die autonome Zustimmung von Personen normative Autorität besitzt. Weil Menschenwürde dabei der individuellen Selbstverfügung (Autonomie) von Personen Grenzen setzt, wird die Substitutionsthese in Frage gestellt und es wird ein konkreter Anhaltspunkt dafür gegeben, worin der distinkte Gehalt des Menschenwürdebegriffs liegen könnte. Die Untersuchung der Substitutionsthese mit Blick auf die restriktive Verwendungsweise des Menschenwürdebegriffs soll dabei in zwei praktischen Kontexten durchgeführt werden, in denen der Menschenwürdebegriff häufig in restriktiver Weise verwendet worden ist: der Debatte um die moralische Bewertung (i) des Organhandels und (ii) der Suizidbeihilfe. Diesem Vorgehen liegt die methodische Annahme zugrunde, dass der mögliche Verlust, der durch eine Ersetzung des Prinzips der Menschenwürde durch das Autonomieprinzip entsteht, nur im Kontext spezifischer normativer Diskussionen in den Blick gerät. Das geplante Forschungsprojekt verspricht eine Klärung der durch die Substitutionsthese aufgeworfenen Frage nach dem Verhältnis von Menschenwürde und Autonomie und dadurch eine nähere Bestimmung des distinkten Gehalts von Menschenwürde. Darüber hinaus wird erwartet, dass die systematische Diskussion der Substitutionsthese zu einer Aufklärung der normativen Diskussionen in den ausgewählten praktischen Kontexten beiträgt.
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