Project

Back to overview

Von den Wächtern zu Adam: Früjüdische Mythen vom Ursprung des Bösen und ihre frühchristliche Rezeption

English title From the Watchers to Adam. Early Jewish Myths about the Origin of Evil and their Early Christian Reception
Applicant Frey Jörg
Number 134968
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Theologisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.08.2011 - 31.07.2014
Approved amount 162'771.00
Show all

Keywords (5)

Evil; Myth; Early Judaism; New Testament; Early Christianity

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Lay Summary zum Projekt:

"Von den Wächten zu Adam. Frühjüdische Mythen vom Ursprung des Bösen und ihre frühchristliche Rezeption"

(Prof. Dr. Jörg Frey - Dissertationsprojekt Lic. theol. Monika Götte)

Die Frage nach dem Ursprung des Bösen wird in der jüdisch-christlichen Tradition mit unterschiedlichen mythologischen Konstruktionen beantwortet. Diese versuchen, im Rahmen des biblischen Gottesglaubens zu beantworten, warum die Welt  und die Menschen sind, wie sie sind. Zugleich haben diese Erzählungen die Funktion, ihren Rezipienten zur Bewältigung ihrer jeweiligen Welt- und ggf. Unheilserfahrung zu helfen. Während die hebräische Bibel gegenüber solchen ‚Erklärungen‘ des Bösen noch sehr zurückhaltend ist, entstehen im Judentum ‚zwischen den Testamenten‘ mythologische Erzählungen, zunächst von einem vorzeitlichen ‚Fall‘ der Wächterengel Azazel und Shemihaza, erst später von dem ‚Fall‘ Adams bzw. Evas im Paradies oder auch von einem ‚Fall‘ des Engels ‚Satan‘, der dann Urheber der Verführung wird usw. Diese Erzählungen werden vielfältig rezipiert und z.T. miteinander verbunden. Daneben stehen Modelle, nach denen Gott selbst auch Schöpfer des Bösen ist, und andere, die den ‚bösen Trieb‘ im Menschen lokalisieren. Im Neuen Testament werden diese Erklärungen nirgendwo ausführlich thematisiert, doch weithin vorausgesetzt, und erst die frühchristlichen Apokryphen bieten wieder mehr Raum für einschlägige mythologische Erzählungen.

Die Geschichte der einzelnen Motive ist relativ weithin erforscht, doch bietet ihre jeweilige Funktion und zugleich das Nebeneinander sehr unterschiedlicher Modelle Anlass zur näheren Untersuchung. Das interdisziplinär zwischen antikem Judentum, neutestamentlicher Wissenschaft und Hermeneutik angelegte Dissertationsprojekt soll die unterschiedlichen Herleitungen des Bösen anhand repräsentativer Texte narratologisch vergleichend untersuchen, die Erklärungsmodelle hinsichtlich ihrer Funktion vergleichen und zur hermeneutischen Frage vorstoßen, wie der Wahrheitsanspruch dieser Modelle zu beschreiben ist und welche Bedeutung gerade der Pluralität der Mythen zukommt.

Das Projekt steht im Kontext der Forschungen des Antragstellers zum Dualismus im Frühjudentum und frühen Christentum sowie zur Funktion der Bilder des ‚Bösen‘  in der jüdisch-christlichen Überlieferung. Es nimmt die Einsichten historisch-philologischer und religionsgeschichtlicher Forschungen auf und konzentriert sich methodisch auf narratologisch-funktionale und hermeneutische Untersuchung der Pluralität der Modelle der Erklärung des Bösen. Die Untersuchung kann zugleich dazu dienen, den Wahrheitsanspruch apokalyptischer Mythologie, die auch in der säkularen Gegenwartskultur eine bedeutende Rolle spielt, näher zu bestimmen und zu reflektieren, wie die narrative Welt und v.a. auch die Bildersprache der apokalyptischen Überlieferungen gedeutet werden kann.

Keywords:

Evil, Sin, Satan, Adam, Angels, Narratology, Dualism, Apocalyptic, Judaism, Christianity

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Adam und Christus - Christus und Adam: Röm 7 im Lichte von Gen 3
Götte Monika (2016), Adam und Christus - Christus und Adam: Röm 7 im Lichte von Gen 3, in Krauter Stefan (ed.), Neukirchener, Neukirchen-Vluyn, 49-82.
Apocalyptic Dualism
Frey Jörg (2014), Apocalyptic Dualism, in Collins John J. (ed.), Oxford University Press, Oxford, 271-294.
Der Diskurs um ‚das Böse‘ und der Beitrag biblisch-theologischer Perspektiven. Zur Einführung in die Thematik
Frey Jörg, Oberhänsli-Widmer Gabrielle (2012), Der Diskurs um ‚das Böse‘ und der Beitrag biblisch-theologischer Perspektiven. Zur Einführung in die Thematik, in Oberhänsli-Widmer Gabrielle, Frey Jörg (ed.), Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn, VII-XXVI.
Dualismus im antiken Judentum und im Neuen Testament
Frey Jörg, Dualismus im antiken Judentum und im Neuen Testament, in Frey Jörg , Popkes Enno Edzard (ed.), Mohr Siebeck, Tübingen.
Von den Wächtern zu Adam
Götte Monika, Von den Wächtern zu Adam, Mohr Siebeck, Tübingen.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Ludwig-Maximilians-Universität München (Prof. Dr. Loren T. Stuckenbruck, PD Dr. St. Krauter) Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Yale Divinity School (Prof. Dr. J. J. Collins) United States of America (North America)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Internationale Summer School: Jeremiah's Scriptures Talk given at a conference Response zu L. T. Stuckenbruck, Jeremiah in the Enochic Tradition 23.06.2014 Ascona, Switzerland Götte Monika Elisabeth;
Internationales Doktorandenkolloquium: Römer 7 im Horizont der jüdischen Überlieferung Talk given at a conference Adam und Christus - Christus und Adam: Römer 7 und Genesis 3 09.05.2014 München, Germany Götte Monika Elisabeth;
Deutschschweizerisches Doktorandenkolloquium Neues Testament FS 2013 Poster Die Wächterüberlieferung und ihre Wirkungsgeschichte 23.03.2013 Zürich, Switzerland Götte Monika Elisabeth;
Qumran-Tagung der Kath. Akademie Schwerte: Dualismus, Dämonologie und böse Gestalten in Qumran, im antiken Judentum und im frühen Christentum Talk given at a conference Dualismus im antiken Judentum und im frühen Christentum 08.02.2013 Schwerte, Germany Frey Jörg;
General Meeting der Studiorum Novi Testamenti Societas: Seminar Nr.2: Qumran and the New Testament: " Talk given at a conference Response zu Craig A. Evans, Jesus and Demonology in the Light of Qumran 31.07.2012 Leuven, Belgium Frey Jörg;


Self-organised

Title Date Place
Internationales Doktorandenkolloquium: Römer 7 im Horizont der jüdischen Überlieferung 09.05.2014 München, Germany
Qumran-Tagung der Kath. Akademie Schwerte: Dualismus, Dämonologie und böse Gestalten in Qumran, im antiken Judentum und im frühen Christentum 08.02.2013 Schwerte , Germany
General Meeting der Studiorum Novi Testamenti Societas: Seminar Nr.2: Qumran and the New Testament: "Evil Figures" 31.07.2012 Leuven , Belgium
Summer School: “Canonical Processes and the Development of Noncanonical Traditions” 25.06.2012 Einsiedeln, Switzerland
Forschungskolloquium Antikes Judentum - Von kanonischen zu nichtkanonischen Texten 23.01.2012 Zürich, Switzerland

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
143384 Literarische Selbstbezüglichkeit in neutestamentlichen Texten (Evangelien und Apokalypse) im Horizont alttestamentlicher und frühjüdischer Überlieferungen 01.10.2012 Project funding (Div. I-III)
153030 Frauen in Qumran 01.04.2014 Project funding (Div. I-III)
146552 Gemeinschaft mit den Engeln im irdischen Gottesdienst in frühjüdischen und neutestamentlichen Schriften 01.04.2013 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Die Frage nach dem Ursprung des Bösen wird im antiken Judentum mit unterschiedlichen mythologischen Kon-struktionen beantwortet. Diese versuchen alle im Rahmen des biblischen Gottesglaubens die Frage zu beant-worten, warum die Welt ist, wie sie ist. Sie haben zudem die Funktion, ihren Rezipienten zur Bewältigung ihrer jeweiligen Welt- und ggf. Unheilserfahrung zu helfen. Im Neuen Testament werden diese Mythen z. T. voraus-gesetzt, wenngleich an ihnen nur wenig eigenständiges Interesse haftet, hingegen werden sie in frühchristlichen apokryphen Schriften wieder stärker aufgenommen (und dann in anderer Weise in der christlichen Gnosis intensiv weiterentwickelt). Das geplante Forschungsprojekt (als interdisziplinäres Dissertationsprojekt zwischen Frühjudentum, Neuem Testament und Hermeneutik) soll die verschiedenen Typen einer mythologischen Erklärung des Bösen im Früh-judentum und ihre Rezeption im frühen Christentum (unter Ausklammerung der gnostischen Texte) verglei-chend und in hermeneutischer Perspektive bearbeiten. Die Palette der Erklärungen reicht von der These, dass Gott selbst auch das Böse geschaffen (Jesaja 45,7) oder einen ‚Geist des Frevels‘ für eine bestimmte Zeit einge-setzt hat (so Zwei-Geister-Lehre aus Qumran), über die Erzählung von einer urzeitlichen Rebellion der Wächter-Engel (1 Henoch 6-11) und evtl. weitere Mythen von einem urzeitlichen Fall über die Zurückführung der Sünde der Menschen auf den ‚Sündenfall’ Adams im Paradies bis hin zu einem noch ‚vorher‘ angesetzten ‚Sturz‘ Satans, der dann zum Urheber der Verführung wird. Die neutestamentlichen Texte rezipieren diese Modelle und die damit verbundene Vorstellungswelt, ohne dass die Herkunft des Bösen thematisiert würde. Dieses Interesse wächst dann wieder in frühchristlich-apokryphen Schriften. Ein Vergleich verschiedenster Herkunftsmythen des Bösen des frühen Judentums und des frühen Christentums ist ein Desiderat der Forschung. Die hier geplante Untersuchung soll über die vergleichende Darstellung der wichtigsten frühjüdischen Erklärungsmodelle zur hermeneutischen Frage vorstoßen, wie der Wahrheitsanspruch dieser Modelle (angesichts ihrer Pluralität) zu beschreiben ist und welche Bedeutung insbesondere der Pluralität der Mythen zukommt.
-