Project

Back to overview

Kantonale Volksschulreformen und ihre Implementation in Deutschschweizer Städten

English title Cantonal reform of public schools and their implementation in swissgerman cities
Applicant Criblez Lucien
Number 134905
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Erziehungswissenschaft Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Education and learning sciences, subject-specific education
Start/End 01.06.2011 - 31.03.2015
Approved amount 397'173.00
Show all

All Disciplines (3)

Discipline
Education and learning sciences, subject-specific education
Sociology
Political science

Keywords (4)

educational governance; school leadership; school organization; educational policy

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Kantonale Volksschulreformen und ihre Implementation in Deutschschweizer Städten

Die Organisations- und Führungsstrukturen der Volksschule haben sich mit der Einführung geleiteter und teilautonomer Schulen seit den 1990er Jahren stark verändert. Lehrpersonen haben in den Schulleitungen neu Vorgesetzte, die lokale Schulaufsicht hat mit den Schulleiterinnen und Schulleitern neue Ansprechpersonen erhalten. Die Schulleitungen haben den operativen Teil der bisher von der Schulaufsicht wahrgenommenen Führungsaufgaben übernommen, zugleich hat die Konzentration der lokalen Schulaufsicht auf strategische Aufgaben zur Professionalisierung der Behörden geführt. Die Kantone haben die kantonale Schulaufsicht reformiert und teilweise auf externe Schulevaluation ausgerichtet. Vor allem für grössere Städte war die Umsetzung der Volksschulreform nicht einfach, denn sie musste in Städten in einer komplexen Schulorganisation umgesetzt werden. Insbesondere der Ausbau und die Professionalisierung der Verwaltung, der Umgang mit den direktdemokratisch gewählte Stadtparlamenten, die Vielzahl von direktdemokratisch gewählten Aufsichtsbehörden, die Einsetzung von Schulleitungen sowie die Koordination zwischen den zahlreichen städtischen Schulen sorgten für besondere Herausforderungen. Diese Herausforderungen sind vor dem Hintergrund eines internationalen Diskurses zu verstehen, der seit den 1990er Jahren auch in der Schweiz unter Stichworten wie New Public Management, Dezentralisierung sowie Erhöhung der Schuleffektivität und Schulqualität geführt wird.

Das Forschungsprojekt untersucht die politischen Prozesse der Volksschulreform im Zeitraum zwischen 1990 und 2010. Im Fokus stehen insbesondere das politische Agenda-Setting sowie die Implementation der Reform in ausgewählten Kantonen und Städten der deutschsprachigen Schweiz. Dabei sollen einerseits der Reformprozess, die Motive und Argumente der wichtigsten Akteure (Parlament, politische Parteien, Bildungsverwaltung, Lehrerverbände usw.) sowie die Ergebnisse des Reformprozesses im Sinne einer neuen Akteurskonstellation und einer Neudefinition von Aufgaben, Funktionen und Entscheidungskompetenzen analysiert werden. Andererseits wird in ausgewählten Städten untersucht, wie Schulreformen implementiert und dabei ko-konstruiert werden, wie die Handlungskoordination zwischen unterschiedlichen Akteuren in lokalen Zusammenhängen variiert und angepasst wird und welche Probleme sich insbesondere in Städten mit ihren komplexen Akteurskonstellationen bei der Implementation stellen.

Das Projekt versteht sich als Policy Analyse im Bildungsbereich und bedient sich für die zeitliche Strukturierung der Reformprozesse des Policy-Cycle-Modells. Es lässt sich heuristisch insbesondere von Governance-Konzepten leiten. Neben der Analyse der normativen und institutionellen Veränderungen der Volksschule werden die Akteure und die sich verändernden Akteurskonstellationen inhaltsanalytisch untersucht. Als Datengrundlage dienen unterschiedliche Dokumente des Reformprozesses und halbstrukturierte Experteninterviews.

 

Keywords: school reform, educational policy, educational governance, school leadership, school organization

 

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Bildungsreformen in Städten am Beispiel der Einführung von geleiteten Schulen
Appius Stephanie, Nägeli Amanda (2015), Bildungsreformen in Städten am Beispiel der Einführung von geleiteten Schulen, in Abs Hermann Josef, Brüsemeister Thomas, Schemmann Michael, Wissinger Jochen (ed.), 173-194.
Schulreformen – ein Zusammenspiel von Kanton und Gemeinden
Appius Stephanie, Nägeli Amanda, Lewa Marrtin, Schulreformen – ein Zusammenspiel von Kanton und Gemeinden, in Hangartner Judith, Heinzer Markus (ed.).

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Workshop Governance II Talk given at a conference Fallbeispiele Bern und Zürich 01.02.2013 PH FHNW Aarau, Switzerland Nägeli Amanda;
Mixed Modes of Governance in Education Talk given at a conference Bildungsreformen in Städten am Beispiel der Einführung von geleiteten Schulen 01.10.2012 Giessen, Germany Appius Stephanie; Nägeli Amanda;


Self-organised

Title Date Place
Governance der Volksschule in der Schweiz 23.04.2012 Zürich, Institut für Erziehungswissenschaft, Switzerland

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
105751 Schulorganisation in Aargauer Schulgemeinden: Handlungsspielräume, Kosten und Qualität - ein Vergleich 01.01.2005 DORE project funding

Abstract

Die Organisations- und Führungsstrukturen der Volksschule haben sich mit der Einführung geleiteter und teilautonomer Schulen seit den 1990er Jahren stark verändert. Lehrpersonen haben in den Schulleitungen neu Vorgesetzte, die lokale Schulaufsicht hat mit den Schulleiterinnen und Schulleitern neue Ansprechper-sonen erhalten. Die neuen Schulleitungen haben den operativen Teil der bisher von der Schulaufsicht wahr-genommenen Führungsaufgaben übernommen, zugleich hat die Konzentration der lokalen Schulaufsicht auf strategische Aufgaben zur Professionalisierung der Behörden geführt. Die Kantone haben die kantonale Schulaufsicht reformiert und teilweise auf externe Schulevaluation ausgerichtet. Die Dezentralisierung von Entscheidungskompetenzen geht mit erhöhten Qualitätskontrollen einher und führt konsequenterweise zu neuen Funktionszuweisungen und Rollendefinitionen an Schulaufsicht und Schulleitung.Vor allem für grössere Städte war die Umsetzung der Volksschulreform mit strukturellen und organisatori-schen Problemen verbunden. Denn die Volksschulreform - auf Durchschnittsgemeinden hin angelegt - musste in Städten in einer komplexen Schulorganisation umgesetzt werden muss. Insbesondere die ausge-baute und professionalisierte Verwaltung, das direktdemokratisch gewählte Stadtparlament, die Vielzahl von direktdemokratisch gewählten Aufsichtsbehörden sowie die Vielzahl von Schulen und Schulleitungen sorgten für besondere Herausforderungen bei der Implementation der Volksschulreformen. Seit den 1990er Jahren sind Kantone und Gemeinden zudem herausgefordert, ihre Schulen nicht nur nach pädagogischen Kriterien, sondern zugleich effizient und effektiv zu gestalten. Diese - in sich mindestens zum Teil widersprüchlichen Erwartungen - sind vor dem Hintergrund eines internationalen Diskurses zu verstehen, der seit den 1990er Jahren auch in der Schweiz unter Stichworten wie New Public Management, Dezentralisierung sowie Erhö-hung der Schuleffektivität und Schulqualität geführt wird.Das beantragte Forschungsprojekt will am Beispiel ausgewählter Kantone und Städte der deutschsprachigen Schweiz die Volksschulreform seit den 1990er Jahren und deren Implementation untersuchen. Dabei sollen einerseits der Reformprozess auf der normativen Ebene, Motive und Argumente der hauptsächlichen Re-formakteure (Parlament, politische Parteien, Bildungsverwaltung, Lehrerverbände usw.) sowie die (vorläufi-gen) Ergebnisse des Reformprozesses im Sinne einer neuen Akteurskonstellation im Volksschulbereich und einer Neudefinition von Aufgaben, Funktionen und Entscheidungskompetenzen unterschiedlicher Akteure analysiert werden. Andererseits soll in ausgewählten Städten untersucht werden, wie Schulreformen imple-mentiert und dabei ko-konstruiert werden, wie die Handlungskoordination zwischen unterschiedlichen Ak-teuren in lokalen Zusammenhängen variiert und angepasst werden kann und welche Probleme sich insbe-sondere in Städten mit ihren komplexen und von kleinen und mittleren Gemeinden abweichenden Akteurs-konstellationen bei der Implementation von Schulreformen stellen.Das Projekt situiert sich im Bereich der Policy Analysen im Bildungsbereich und bedient sich für die zeitliche Strukturierung der Reformprozesse des Policy-Cycle-Modells. Es lässt sich heuristisch insbesondere von Go-vernance-Konzepten leiten. Neben der Analyse der normativen und institutionellen Veränderungen der Volksschule werden die Akteure und die sich verändernden Akteurskonstellationen untersucht. Als Daten-grundlage dienen unterschiedliche Dokumente des Reformprozesses und halbstrukturierte Experteninter-views. Die Datenanalyse soll durch atlas.ti unterstützt werden. Bei der Dateninterpretation kommen einer-seits die klassische Dokumentenanalyse, andererseits Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse zum Einsatz.Das Projekt eröffnet in mehrfacher Hinsicht neue Forschungsperspektiven: Erstens zielt es darauf ab, mit qualitativ-empirischen Methoden systematisches Wissen in einem Bereich zur Verfügung zu stellen‚ der bis-her weitgehend von normativer, politisch-schulorganisatorischer ‚Programmliteratur’ bestimmt war. Neu sind zweitens die kantons- und städtevergleichende Perspektive, drittens der doppelte Analysefokus auf Schulreformprozesse und deren Ergebnisse, viertens die Fokussierung von Akteuren und Akteurskonstellati-onen sowie fünftens der Einbezug der Implementationsphase.
-