Project

Back to overview

Lehrmittelpolitik als schulische Wissenspolitik

English title Teaching Materials and Politics of Knowledge
Applicant Criblez Lucien
Number 134903
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Erziehungswissenschaft Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Education and learning sciences, subject-specific education
Start/End 01.01.2012 - 28.02.2015
Approved amount 260'061.00
Show all

All Disciplines (3)

Discipline
Education and learning sciences, subject-specific education
Political science
Sociology

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Als Enkulturations-, Qualifikations- und Sozialisationsagentur kommt der Schule in modernen Gesellschaften die zentrale Bedeutung zu, die nachfolgende Generation in die Gesellschaft einzuführen. Welche Werte und welches Wissen allerdings vermittelt werden sollen, ist durchaus umstritten. Die Selektion und Definition schulischen Wissens ist aber auch wegen des stetigen Zuwachses an Wissen schwierig geworden.
Das Projekt fokussiert auf Lehrmittel und hier wiederum auf den Akkreditierungsprozess, in dem definiert und legitimiert wird, welches Wissen in die Schule kommt. Im Vordergrund des beantragten Projekts stehen Governance-Ansätze, die Akteursverflechtungen in politischen Mehrebenensystemen in ihrer Komplexität in den Blick nehmen. Im beantragten Projekt sollen vor diesem Hintergrund erstens die Verfahren der Akkreditierung von Lehrmitteln sowie die wichtigsten Akteure (Lehrmittelkommissionen, Lehrmittelverlage, Bildungs- und Erziehungsräte, Bildungsadministrationen, Lehrerverbände usw.) untersucht werden. Zweitens werden wissenssoziologisch Fragen zur Selektion und Definition von gesellschaftlich relevanten Werten/Haltungen sowie Wissen/Fähigkeiten für die Schule untersucht. Dabei interessiert primär, von welchen Vorstellungen und Deutungen (‚beliefs') sich die jeweiligen Akteure bei ihrem wissenspolitischen Handeln leiten lassen.

Das Projekt untersucht somit zwei Dimensionen der Lehrmittelpolitik, die organisationale Dimension und die Wissens- bzw. Deutungsdimension. Im Projekt werden durch die Analyse von voraussichtlich 6 kantonalen Fallstudien zur Lehrmittelpolitik versucht, die Situation in der Schweiz adäquat zu erfassen und unterschiedliche Modelle zu analysieren. Das Forschungsdesign sieht hierfür verschiedene Phasen vor, die sowohl Dokumentenanalysen und Expertengesprächen als auch themenzentrierte Interviews mit Mitgliedern von Lehrmittelkommissionen vorsehen. Ergänzend werden zudem qualitative Netzwerkanalysen durchgeführt.

Das Projekt legitimiert sich einerseits dadurch, dass wissenschaftliches Wissen in einem Bereich zur Verfügung gestellt wird, der bislang kaum "beforscht" worden ist. Dies obwohl gleichzeitig die Bedeutung der Lehrmittel als Teil der Steuerung von Bildungsprozessen in Schulen hoch eingeschätzt wird. Andererseits legitimiert sich das Projekt auch aus der Bedeutung, die Lehrmittelfragen im bildungspolitischen Diskurs in den nächsten Jahren erhalten dürften (Einführung von Bildungsstandards sowie die Einführung sprachregionaler Lehrpläne).



Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Der Zulassungsprozess von Lehrmitteln - untersucht am Kanton Luzern. Zürich: Institut für Erziehungswissenschaft.
Seraina Montanari (2013), Der Zulassungsprozess von Lehrmitteln - untersucht am Kanton Luzern. Zürich: Institut für Erziehungswissenschaft..
Lehrmittelpolitik. Eine Governance-Analyse der schweizerischen Lehrmittelzulassung.
Lukas Lehmann (Hrsg), Lehrmittelpolitik. Eine Governance-Analyse der schweizerischen Lehrmittelzulassung., VS Verlag für Sozialwissenschaften. (Reihe Educational Governance)., Wiesbaden.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Doktoranden-Kolloquium am Lehrstuhl Historische Bildungsforschung und Steuerung im Bildungssystem / Allgemeine Pädagogik Talk given at a conference Wissen, Politik, Wissenspolitik. Analyse der Schweizer Lehrmittelpolitik. 03.03.2015 Züriich, Switzerland Lehmann Lukas;
European Association for Research on Learning and Instruction (EARLI), Special Interest Group 23 (Educational evaluation and accountability) Talk given at a conference Knowledge, Politics and Politics of Knowledge. The Practice of Swiss Schoolbook Accreditation 10.11.2014 Bielefeld, Germany Lehmann Lukas;
Doktoranden-Kolloquium am Lehrstuhl Historische Bildungsforschung und Steuerung im Bildungssystem, Universität Zürich Talk given at a conference Lehrmittelpolitik 25.09.2012 Zürich, Switzerland Montanari Seraina; Völgyi Anna Marcella Catalina; Lehmann Lukas;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
141826 Die gesellschaftliche Konstruktion schulischen Wissens - Zur Transformation des schulischen Wissenskorpus und dessen bildungspolitischer Konstruktionsprinzipien seit 1830 (Kurztitel: Transformation schulischen Wissens seit 1830) 01.01.2013 Sinergia

Abstract

Als Enkulturations-, Qualifikations- und Sozialisationsagentur kommt der Schule in modernen Gesellschaften die zentrale Bedeutung zu, die nachfolgende Generation in die Gesellschaft einzuführen. Welche Werte, welches Wissen und welche Fähigkeiten allerdings vermittelt werden sollen, ist in pluralistischen und demokratischen Gesellschaften umstritten. Die Selektion und Definition schulischen Wissens ist aber auch wegen des stetigen Zuwachses an Wissen schwierig geworden. Die Kantone, die im schweizerischen Bildungsföderalismus dafür zuständig sind, haben deshalb seit dem 19. Jahrhundert entsprechende Verfahren definiert und mit der „Wissenspolitik“ bestimmte Akteure beauftragt. Traditionell sind die beiden Instrumente der Wissenspolitik die Lehrpläne und die Lehrmittel. Das Projekt fokussiert auf Lehrmittel und hier wiederum auf den Akkreditierungsprozess, in dem definiert und legitimiert wird, welches Wissen in die Schule kommt.Dieser Prozess wird von definierten Akteuren gesteuert. Im Vordergrund des beantragten Projekts stehen Governance-Ansätze, die Steuerung weder als einfache top down-Steuerung noch als bottom up-Entwicklung verstehen, sondern die Akteursverflechtungen in politischen Mehrebenensystemen in ihrer Komplexität in den Blick nehmen. Im beantragten Projekt sollen vor diesem Hintergrund erstens die Verfahren der Akkreditierung von Lehrmitteln sowie die wichtigsten Akteure bzw. die Akteurskonstellationen (Lehrmittelkommissionen, Lehrmittelverlage, Bildungs- und Erziehungsräte, Bildungsadministrationen, Lehrerverbände usw.) in diesem Prozess untersucht werden. Im Vordergrund des Interesses stehen also die wissenssoziologisch relevanten Fragen nach den Verfahren der Selektion und Definition von gesellschaftlich relevanten Werten/Haltungen sowie Wissen/Fähigkeiten für die Schule. Zweitens interessiert aber ebenso, von welchen Vorstellungen und Deutungen (beliefs) sich die Akteure bei ihrem wissenspolitischen Handeln leiten lassen. Das Projekt untersucht deshalb zwei Dimensionen der Lehrmittelpolitik, die organisationale bzw. steuerungsbezogene Dimension und die Wissens- bzw. Deutungsdimension.Im Projekt werden voraussichtlich 6 kantonale Fallstudien zur Lehrmittelpolitik durchgeführt. Das Projekt soll in 4 Modulen durchgeführt werden. Im ersten Modul werden mit Dokumentenanalyse und Expertengesprächen einerseits die formalen Verfahren zur Lehrmittelakkreditierung deskriptiv erfasst, andererseits werden die Grundlagen für die Auswahl der Fallstudien geschaffen und die Interviewleitfäden für Modul 2 erstellt. Im zweiten Modul werden themenzentrierte Interviews mit Mitgliedern von Lehrmittelkommissionen (N>24) als dem zentralen Akteur in der Lehrmittelpolitik durchgeführt. Die Fälle werden analysiert und zusätzlich wird eine Netzwerkanalyse durchgeführt. Im dritten Modul werden weitere Akteure bzw. Akteursgruppen in die Analyse einbezogen. Wiederum werden themenzentrierte Interviews (voraussichtlich N>24) durchgeführt. Die Fallanalysen werden anschliessend verdichtet und im Modul 4 zusammengeführt.
-