Project

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Gemeindepolitik ohne Parteien? (Fortsetzungsgesuch)

English title Community Politics without Parties? (Request for Prolongation)
Applicant Geser Hans
Number 132038
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Soziologisches Institut Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Sociology
Start/End 01.12.2010 - 30.09.2011
Approved amount 72'996.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Sociology
Political science

Keywords (9)

nonpartisan politics; political executive; local politics; communities; local parties; executive councils; city managers; municipal politicians; local governing boards

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Bisherige Forschungen haben gezeigt, dass die lokalen Parteien in den Gemeinden in den letzten 20 Jahren sehr stark an Mitgliedern, Aktivität und an politischer Bedeutung verloren haben: mit der Folge, dass heute mehr als 40 Prozent der Exekutivsitze in den Schweizer Gemeinden von Personen besetzt werden, die keiner politischen Partei angehören. Das Ziel des Projekts besteht darin, durch einen Vergleich zwischen Parteigebundenen und parteilosen Gemeinderäten Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich diese Erosion der Kommunalparteien auf die Zusammensetzung, Tätigkeit und Einflussstellung der Gemeindeexekutive im allgemeinen und auf die politischen Motivationen, Orientierungen und Aktivitäten der Einzelmitglieder im besonderen auswirkt. Zu diesem Zweck wurde im Winter 2008/09 eine schriftliche Befragung der Exekutivmitglieder aller Gemeinden in allen drei Landesteilen durchgeführt, an der sich über 8000 (der insgesamt 15500) Räte mitbeteiligt haben. Unter den bisherigen Ergebnissen sticht hervor, dass Parteilose eine eher unpolitische Auffassung von ihrer Amtsrolle besitzen. So gibt nur jeder fünfte Parteilose (im Vergleich zu 60% der SP-Vertreter und ca. 45% der bürgerlichen Parteivertreter) an, dass das "Interesse an Politik" ein sehr wichtiges Motiv für die Amtsübernahme sei. Im Vordergrund steht stattdessen das altruistische Motiv, sich für die Allgemeinheit zu engagieren, während das Interesse an der Realisierung eigener Ideen ebenso zurücktritt wie das Motiv, das kommunale Amt als Sprungbrett für höhere politische Ämter zu nutzen. Eine Aufgliederung nach Berufsgruppen zeigt, dass Parteilose überdurchschnittlich häufig aus den - politisch sonst nicht sehr aktiven - Kreisen der Arbeiter, Rentner und Hausfrauen stammen oder sich aus Inhabern unterer Kader- und Mitarbeiterpositionen rekrutieren: im Gegensatz zu höheren Führungskräften, die seltener ohne eine Partei im Rücken politisieren. Ideologisch betrachtet politisieren nur etwa 16% der Parteilosen deutlich links, während sich 51% in der Mitte verorten und die übrigen 40% sich zu einer eher rechtsstehenden Position bekennen. Ihr durchschnittliches Einstellungsprofil koinzidiert in der deutschen Schweiz fast völlig mit demjenigen der CVP, in den übrigen Landesteilen mit einer etwas linkeren Mitteposition, wie sie auch von den meisten "Freiwilligen Wählervereinigungen" eingenommen wird. In deutschen Sprachraum bezeichnen nur gerade 14% (und in der Romandie 23%) die Sozialdemokraten oder die Grünen als die ihnen am nächsten stehende Partei: im Vergleich zu 30% (Romandie 20%), die in einer dieser Parteien die von ihren politischen Überzeugungen am weitestenentfernte Gruppierung sehen.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Die Exekutivmitglieder in den Schweizer Gemeinden. Ergebnisse einer Befragung
Geser Hans Urs Meuli Andreas Ladner Reto Steiner und Katia Horber-Papazian (2011), Die Exekutivmitglieder in den Schweizer Gemeinden. Ergebnisse einer Befragung.
Familiäre politische Prägungen bei kommunalen Exekutivmitgliedern
Geser Hans (2011), Familiäre politische Prägungen bei kommunalen Exekutivmitgliedern.

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Print (books, brochures, leaflets) Tätigkeit und Profil der Zürcher Gemeinderäte German-speaking Switzerland 01.05.2011
New media (web, blogs, podcasts, news feeds etc.) Einflussdefizite der Frauen in den Gemeindeexekutiven Web International German-speaking Switzerland 15.10.2010
Talks/events/exhibitions Parteilose in der Gemeindepolitik German-speaking Switzerland 07.05.2010
Talks/events/exhibitions Positives Engagement ohne Parteibuch German-speaking Switzerland 03.11.2010
Talks/events/exhibitions Sind unsere Behörden und Kommissionen ein Auslaufmodell? German-speaking Switzerland 11.02.2010
New media (web, blogs, podcasts, news feeds etc.) Wer regiert unsere Gemeinden? Web German-speaking Switzerland International 15.01.2010
Talks/events/exhibitions Wer will oder kann heute noch Gemeinderat werden - und wer nicht? German-speaking Switzerland 28.04.2010
New media (web, blogs, podcasts, news feeds etc.) Der Arbeitseinsatz von Milizpolitikern Web German-speaking Switzerland International 01.08.2009
Print (books, brochures, leaflets) Immer mehr Parteilose in den Gemeindeexekutiven German-speaking Switzerland International 01.09.2009
New media (web, blogs, podcasts, news feeds etc.) Linke Frauen in der Lokalpolitik Web German-speaking Switzerland International 01.10.2009
Talks/events/exhibitions Tätigkeit und Profil der Zürcher Gemeinderäte. German-speaking Switzerland 17.11.2009
New media (web, blogs, podcasts, news feeds etc.) Wenig profilierte Parteilose in den Schweizer Gemeindeexekutiven Web German-speaking Switzerland International 15.08.2009

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
120614 Gemeindepolitik ohne Parteien? Auswirkungen der lokalen Parteierosion auf die kommunalen Exekutiven 01.04.2008 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Anstoss für das geplante Projekt bilden Erkenntnisse früherer empirischer Gemeindeuntersuchungen über einen dramatischen Erosionsprozess, dem die politischen Parteien ausgesetzt sind. (Geser 2003a; Ladner/Meuli 2005, Meuli/Ladner 2004): mit der Folge, dass heute mehr als 40 Prozent der rund 15 000 Exekutivsitze in den Schweizer Gemeinden von Personen besetzt werden, die keiner politischen Partei angehören. Das Ziel des Projekts besteht darin, durch einen Vergleich zwischen Parteigebundenen und Parteilosen in den Gemeindeexekutiven Erkenntnisse über die Auswirkungen der Parteienerosion auf kommunalpolitische Struk-turen und Prozesse und im allgemeinen und auf die Zusammensetzung, Tätigkeit und Einflussstellung der Exe-kutive im besonderen zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurde im laufenden Projekt wie geplant im Herbst/Winter 2008/09 eine schriftliche Vollerhebungsbefragung der Exekutivmitglieder aller (ca. 2700) Gemeinden in allen drei Landesteilen durchgeführt,, an der sich überraschenderweise über 8000 Befragte (statt nur ca. 3000, wie vorausgesehen war) mitbeteiligt haben. Im Zuge erster Auswertungen sind seit Herbst 2009 bereits mehrere wissenschaftliche Arbeiten und Medienpublikationen (z. B. über Rekrutierungsmuster und Arbeitseinsatz der Exekutivmitglieder, Unterschiede zwischen den Geschlechtern, Bedeutung der politischen Familiensozialisation entstanden etc.) die aber teilweise naturgemäss noch einen eher deskriptiven Charakter haben.Da die Aufbereitung des unerwartet umfangreichen Datensatzes vier Monate länger als vorgesehen in Anspruch genommen hat, können bis zum Ende der regulären Projektlaufzeit (Nov. 2010) nicht alle vorgesehenen Ziele erreicht werden. Während die Unterschiede bezüglich sozialer Herkunft, Rekrutierungsprozesse, Motivationen und politischen Einstellungen wie geplant zentrale Bedeutung erhalten, wird keine Zeit zur Analyse der Frage bleiben, wie sich Parteigebundene und Parteilose hinsichtlich ihrer sozialen Verflechtung in der Gemeinde, ihrer Rollenausübung sowie ihrer Stellung in der Exekutive voneinander unterscheiden. Ein weiterer Hauptgrund für den Verlängerungsantrag besteht darin, dass die grosse Stichprobe zusätzliche Möglichkeiten detaillierter multivariater Analyse eröffnet, die sich aufgrund der vielfältigen Disparitäten auhc als unumgänglich erweisen. Vor allem wird es darum gehen, einerseits den unterschiedlichen Verhältnissen auf kantonaler (teilweise gar: subkantonaler) Ebene und andererseits den erheblichen Differenzen zwischen männ-lichen und weiblichen Amtsinhabern Rechnung zu tragen.
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