Projekt

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"Sympathy for the Devil". Historische und methodologische Untersuchungen, ausgehend von einem Song der Rolling Stones

Titel Englisch "Sympathy for the Devil“: Historical and methodological Studies based on a Song by the Rolling Stones
Gesuchsteller/in Obert Simon
Nummer 131507
Förderungsinstrument Stipendien für fortgeschrittene Forschende
Forschungseinrichtung
British Library Early Printed Collections
School of Humanities University of Southampton
Musiksoziologie und Sozialgesch. der Musik Kulturwissenschaftliches Inst. Humboldt-Unversität Berlin
British Library Early Printed Collections
Hochschule Institution ausserhalb der Schweiz – IACH
Hauptdisziplin Musikologie
Beginn/Ende 01.09.2010 - 31.08.2011
Alle Daten anzeigen

Keywords (7)

Musicology; Popular Music Studies; Historiography; Musical Analysis; Source Studies; Reception Theory; Cultural Studies

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Lay summary
Popularmusikforschung hat in den letzten Jahrzehnten eine immense Entwicklung vollzogen. Anfänglich stark sozialwissenschaftlich ausgerichtet, sind nach und nach Ansätze aus der Kulturwissenschaft, Geschlechterforschung, Musikanalyse und Ästhetik bis hin zur Rezeptionstheorie dazugekommen. Allerdings fand ein Bereich merkwürdig wenig Beachtung: die Historiografie. Dies wurde zwar zuweilen als Desideratum erkannt, doch hat sich eine eigenständige musikhistoriografische Forschung zu populärer Musik kaum entwickelt. Eine Ursache für diese Situation mag in der musikwissenschaftlichen Disziplinierung liegen, wo sich vorwiegend Musiktheoretiker, Systematische Musikwissenschaftler und Musikethnologen der Popularmusik zuwandten, kaum aber Historische Musikwissenschaftler. Ein Hauptgrund hierfür ist wohl auf methodische Schwierigkeiten zurückzuführen, hat sich die historische Musikforschung doch bekanntlich an und mit der westlichen Kunstmusik herausgebildet. Würde man deren Methoden und Kategorien eins zu eins auf andere Musikarten anwenden, resultierte dies zunächst in inadäquaten Ergebnisse. Angesichts dieser Situation werden im vorliegenden Projekt Vorschläge und Ausführungen zu einem musikhistorischen Vorgehen erarbeitet. Es versteht sich gleichermassen als inhaltliche wie auch als methodologische Arbeit, die auf musikhistorischer (darstellender) und historiografischer (reflektierender) Ebene einen Beitrag zur Popularmusikforschung leisten will. Der Song "Sympathy for the Devil" (1968) der Rolling Stones stellt hierfür den zentralen Gegenstand dar. Pointiert gesagt, soll einerseits die "Biografie" des Songs erzählt werden, andererseits dient er als Exempel der methodologischen Arbeit. Beide Ebenen lassen sich auf paradigmatische Weise verbinden, da sich in dem Song eine Fülle musikhistorischer, ästhetischer, literarischer, sozialer, medialer und rezeptiver Bezüge aufzeigen lässt. Wie in einem Spiegel können mittels unterschiedlicher Fragestellungen die Potentiale des Songs aktualisiert werden; sie verweisen auf die jeweiligen Sachverhalte, die es mittels quellenkritischer, musik- und textanalytischer, historiografischer, kulturwissenschaftlicher und rezeptionsästhetischer Untersuchungen deutlich zu machen gilt. In dieser Gesättigtheit erweist sich wiederum das Paradigmatische des Gegenstands für eine methodologische Untersuchung: Die Konzentration soll der methodologischen Strenge und Stringenz entgegenkommen, wie diese sich an dem Song zu erweisen hat.
Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 21.02.2013

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Publikationen

Publikation
Die Artifizierung der Popmusik. Anfänger der Popkritik in US-amerikanischen Printmedien nach 1965
Obert Simon (2011), Die Artifizierung der Popmusik. Anfänger der Popkritik in US-amerikanischen Printmedien nach 1965, in Klug Daniel, Schmidt Axel, Jost Christofer, Neumann-Braun Klaus (ed.), Nomos, Baden-Baden, 115-127.
500 Songs, eine Halle und die Macht des Namens. Zur Kanonisierung populärer Musik
Obert Simon, 500 Songs, eine Halle und die Macht des Namens. Zur Kanonisierung populärer Musik, in Wald-Furhmann Melanie, Pietschmann Klaus (ed.), Edition Text + Kritik, München.
Komplexitäten und Reduktionen. Zu einigen Prämissen der Popmusikanalyse
Obert Simon, Komplexitäten und Reduktionen. Zu einigen Prämissen der Popmusikanalyse, in Phleps Thomas, Helms Dietrich (ed.), Transcript, Bielefeld.

Abstract

Popularmusikforschung hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine immense Entwicklung vollzogen. Nach einer anfänglich starken sozialwissenschaftlichen Ausrichtung sind nach und nach Ansätze aus der Kulturwissenschaft, Geschlechterforschung, Musikanalyse und Ästhetik bis hin zur Rezeptionstheorie dazugekommen, die sich in zahlreichen Publikationen niedergeschlagen haben. Allerdings fand dabei ein Bereich merkwürdig wenig Beachtung: die Historiografie. Dies wurde zwar zuweilen als Desideratum erkannt, doch hat sich eine eigenständige musikhistoriografische Forschung zu populärer Musik kaum entwickelt. Eine Ursache für diese Situation mag in der musikwissenschaftlichen Disziplinierung zu finden sein, wo sich vorwiegend Musiktheoretiker, Systematische Musikwissenschaftler und Musikethnologen der Popularmusik als Forschungsgegenstand zuwandten, kaum aber Historische Musikwissenschaftler. Ein Hauptgrund hierfür ist wohl auf methodische Schwierigkeiten zurückzuführen, hat sich die historische Musikforschung doch bekanntlich an und mit der westlichen Kunstmusik herausgebildet, woran sie ihre Methoden, nicht zuletzt aber auch ihre Wertkategorien entwickelte; die Kanones (oder Repertoires) der Musikarten und Methoden ihrer musikwissenschaftlichen Untersuchung sind korrelativ. Legt(e) man diese Methoden und Kategorien eins zu eins an andere Musikarten an, kämen zunächst inadäquate Ergebnisse heraus. Und gegenüber einer Musik, deren Werthaftigkeit zu großen Teilen aus theoretischer Fundierung und Reflexion, artifizieller Komposition und Aufführung, sowie über bloßen Genuss hinausgehender Rezeption abgeleitet wird, muss Popularmusik immer als defizitär erscheinen. Weiterhin zählt zu den Schwierigkeiten die primäre Materialität der Popularmusik in Tonaufnahmen, wohingegen ein Notentext allenfalls im Nachhinein erscheint und selbst dann nicht den Status einer genauen Abbildung dessen, was tatsächlich erklingt, einnehmen kann. Angesichts dieser Situation möchte das vorliegende Projekt Vorschläge und Ausführungen zu einem musikhistorischen Vorgehen machen. Es versteht sich gleichermassen als inhaltliche wie auch als methodologische Arbeit, die allgemein auf musikhistorischer (darstellender) und historiografischer (reflektierender) Ebene einen Beitrag zur Popularmusikforschung leisten will. Ausgehend von dem erwähnten Desiderat einer historisch ausgerichteten Popularmusikforschung, geht es im Kern des vorliegenden Projekts darum, einen möglichst klar definierten und überschaubaren Gegenstand der populären Musik mit den gängigen älteren und neueren Methoden und Arbeitsweisen der Historischen Musikwissenschaft zu untersuchen. Der Song „Sympathy for the Devil“ (1968) der Rolling Stones stellt hierfür den zentralen, wenn auch keineswegs einzigen Gegenstand dar. Pointiert gesagt, soll einerseits die „Biografie“ des Songs erzählt werden, andererseits soll er als Exempel einer methodologischen Arbeit dienen. Beide Ebenen lassen sich auf paradigmatische Weise anhand der bewusst vorgenommenen Begrenzung miteinander verbinden, da sich in dem Song eine Fülle musikhistorischer, ästhetischer, literarischer, sozialer, medialer und rezeptiver Bezüge aufzeigen lässt. Wie in einem Spiegel können mittels unterschiedlicher Fragestellungen die Potentiale des Songs aktualisiert werden; sie verweisen auf die jeweiligen Sachverhalte, die es mittels quellenkritischer, musik- und textanalytischer, historiografischer, kulturwissenschaftlicher und rezeptionsästhetischer Untersuchungen deutlich zu machen gilt, wodurch die konkreten Kontexte des Songs, an denen er teilhat und die er miterzeugt, verdeutlicht werden können. In dieser Gesättigtheit erweist sich wiederum das Paradigmatische des Gegenstands für eine methodologische Untersuchung: Die Konzentration soll der methodologischen Strenge und Stringenz entgegenkommen, wie diese sich an dem Song zu erweisen hat.
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