Projekt

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Sicherheit - Alltag des Strafvollzugspersonals: Eine Studie zu Dispositiven, Praxis, Diskursen und Einstellungen im geschlossenen Strafvollzug der Schweiz

Titel Englisch Security in the daily work of prison staff: A study on dispositives, practice, discourse and attitudes in three Swiss medium security prisons
Gesuchsteller/in Hostettler Ueli
Nummer 130375
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Departement für Sozialarbeit und Sozialpolitik Université de Fribourg
Hochschule Universität Freiburg - FR
Hauptdisziplin Soziologie
Beginn/Ende 01.09.2010 - 31.08.2012
Bewilligter Betrag 189'568.00
Alle Daten anzeigen

Keywords (10)

High-Security Prison; Rehabilitation; Discourse; Organisations; Imprisonment; Prison; Security; Punishment; Prison Staff; Dispositive analysis

Lay Summary (Deutsch)

Lead
In der Soziologie und der Kriminologie werden die Rationalitäten des Strafens intensiv diskutiert. In diese aktuelle internationale Diskussion fügt sich das Projekt ein. Die dabei gestellte Grundfrage ist jeweils, wieso wir heute in unseren Gesellschaften so strafen und nicht anders und welche Folgen das hat.
Lay summary

Die persönliche Freiheit ist eines der Güter, die unsere Gesellschaft am höchsten schätzt. Deren Entzug durch eine Gefängnisstrafe ist ein schwerer Eingriff in das Leben der Betroffenen. Auch deshalb sind wir aufgefordert, Sinn und Funktionieren von Strafe immer wieder auf der Grundlage von wissenschaftlichem Wissen zu diskutieren.

In diesem Projekt wird konkret untersucht, wie Sicherheit in Strafvollzugsanstalten in der Schweiz verstanden und umgesetzt wird. Dabei werden sowohl die Vollzugsanstalt als Organisation wie auch der Alltag des Personals erforscht. Die Gewährleistung der Sicherheit der Allgemeinheit, der Mitgefangenen und des Personals ist nur eine der Aufgaben des Strafvollzugs, neben der Förderung des sozialen Verhaltens der Gefangenen und des Funktionierens des Anstaltsbetriebs. Diese Ziele stehen oft in Widerspruch zueinander und es gehört zum Alltag des Personals, einen Ausgleich zwischen ihnen zu finden. Die Anstalten sind an die gesetzlichen Vorgaben gebunden und werden auch mit Forderungen der Politik und der Medien konfrontiert, meistens mit solchen nach verschärfter Sicherheit. Weitere Herausforderungen sind etwa die Zunahme der Zahl von psychisch kranken Gefangenen oder technische Innovationen wie Mobiltelefone. Das Forschungsprojekt untersucht, wie diese vielfältigen Anforderungen umgesetzt werden und wie die Umsetzung sich über die Zeit verändert hat. Dabei wird das Zusammenspiel von Regeln, Einstellungen, Arbeitsroutinen und technischen Mitteln im Strafvollzug betrachtet, mit anderen Worten das Dispositiv, das Sicherheit produziert. Gefragt wird, welche Vorstellungen das Personal vom Sinn und Zweck der Strafe hat und welche Vorstellungen in die bürokratischen Abläufe der Anstalt eingeschrieben sind. Die kleinen Probleme und grossen Herausforderungen im Alltag des Personals werden in den Blick genommen. So werden nicht nur die offiziellen Regeln, sondern auch die ebenso wichtigen inoffiziellen Logiken der Entscheide untersucht. Die Untersuchung nutzt zwei Zugänge. Erstens wird eine geschlossene Strafvollzugsanstalt für Männer eingehend betrachtet, durch eine (historische) Analyse von Archivdokumenten, Interviews mit dem Personal und durch eine Begleitung des Personals in seinem Alltag. Zweitens werden alle Mitarbeitende des Strafvollzugs in der Schweiz zu ihren Einstellungen über Sicherheit und Strafzweck befragt. 

Für weitere Information siehe:

http://befragung-freiheitsentzug.ch

http://prisonresearch.ch


Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 02.11.2012

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Publikationen

Publikation
Die Gesundheit des Personals im Schweizer Justizvollzug – Unterschiede zwischen Betreuungspersonal und Spezialdiensten
(2016), Die Gesundheit des Personals im Schweizer Justizvollzug – Unterschiede zwischen Betreuungspersonal und Spezialdiensten, in Bewährungshilfe – Soziales, Strafrecht, Kriminalpolitik, 63(1), 34-49.
Die Situation der Mitarbeitenden im Schweizer Justizvollzug. Ergebnisse einer landesweiten Personalbefragung
(2016), Die Situation der Mitarbeitenden im Schweizer Justizvollzug. Ergebnisse einer landesweiten Personalbefragung, in Justiznewsletter (Bildungsinstitut des niedersächsischen Justizvollzuges), 13(24), 2-6.
Penser le conflit professionnel. Sécurité et thérapie dans une prison suisse
(2016), Penser le conflit professionnel. Sécurité et thérapie dans une prison suisse, in Sociétés contemporaines, (103), 43-64.
Belastung und Schutzfaktoren im schweizerischen Justizvollzug: Ergebnisse einer Befragung des Personals
(2015), Belastung und Schutzfaktoren im schweizerischen Justizvollzug: Ergebnisse einer Befragung des Personals, 223-234.
Die Situation der Mitarbeitenden im Schweizer Justizvollzug. Zentrale Ergebnisse der gesamtschweizerischen Befragung
(2015), Die Situation der Mitarbeitenden im Schweizer Justizvollzug. Zentrale Ergebnisse der gesamtschweizerischen Befragung, in Information zum Straf- und Massnahmenvollzug – info bulletin, 40(1), 16-20.
La situation des collaborateurs des établissements d’exécution des peines et des mesures en Suisse. Principaux résultats de l’enquête nationale
(2015), La situation des collaborateurs des établissements d’exécution des peines et des mesures en Suisse. Principaux résultats de l’enquête nationale, in Informations sur l’exécution des peines et mesures – bulletin info, 40(1), 16-20.
Zwischen Punitivität, prekärer Normalität und therapeutischer Zuversicht: narrative Identitäten von Mitarbeitern im Strafvollzug. Eine ethnographisch-diskursanalytische Untersuchung von medialen Narra
(2015), Zwischen Punitivität, prekärer Normalität und therapeutischer Zuversicht: narrative Identitäten von Mitarbeitern im Strafvollzug. Eine ethnographisch-diskursanalytische Untersuchung von medialen Narra.
Arbeiten im schweizerischen Justizvollzug. Ergebnisse einer Befragung zur Situation des Personals. Reihe KJS-CJS, Band 15
(2014), Arbeiten im schweizerischen Justizvollzug. Ergebnisse einer Befragung zur Situation des Personals. Reihe KJS-CJS, Band 15.
Befragung von Mitarbeitenden im Schweizer Justizvollzug. Sind Vorankündigungen sinnvoll?
(2014), Befragung von Mitarbeitenden im Schweizer Justizvollzug. Sind Vorankündigungen sinnvoll?, in Newsletter Studienbereich Soziologie, Sozialpolitik und Sozialarbeit, (15), 25-30.
Burnout bei Mitarbeitenden im schweizerischen Justizvollzug. Die Bedeutung der Arbeit mit InsassInnen, Strafeinstellungen und wahrgenommene öffentliche Erwartungen
(2014), Burnout bei Mitarbeitenden im schweizerischen Justizvollzug. Die Bedeutung der Arbeit mit InsassInnen, Strafeinstellungen und wahrgenommene öffentliche Erwartungen, 331-343.
Die Mitarbeitenden im Freiheitsentzug im Brennpunkt. Erste Ergebnisse einer schweizweiten Befragung über die Angestellten im Freiheitsentzug
(2013), Die Mitarbeitenden im Freiheitsentzug im Brennpunkt. Erste Ergebnisse einer schweizweiten Befragung über die Angestellten im Freiheitsentzug, in Information zum Straf- und Massnahmenvollzug – info bulletin, 38(1), 5-10.
Gros plan sur les collaborateurs des institutions de privation de liberté. Premiers résultats d’une enquête nationale sur le personnel pénitentiaire
(2013), Gros plan sur les collaborateurs des institutions de privation de liberté. Premiers résultats d’une enquête nationale sur le personnel pénitentiaire, in nformations sur l’exécution des peines et mesures – bulletin info, 38(1), 5-10.
Delinquenz und Bestrafung
Delinquenz und Bestrafung, (2012), Delinquenz und Bestrafung.
Exploring Hidden Ordinariness: Ethnographic Approaches to Life Behind Prison Walls
(2012), Exploring Hidden Ordinariness: Ethnographic Approaches to Life Behind Prison Walls, 158-166.
Prevention in Criminal Justice and Welfare Rationalities
(2012), Prevention in Criminal Justice and Welfare Rationalities, 192-212.

Zusammenarbeit

Gruppe / Person Land
Formen der Zusammenarbeit
Schweizerisches Ausbildungszentrum für das Strafvollzugspersonal (SAZ) Schweiz (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Industrie/Wirtschaft/weitere anwendungs-orientierte Zusammenarbeit
Centre de droit des migrations Université de Neuchâtel Schweiz (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
Freiheitsentzug Schweiz (FES) Schweiz (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Industrie/Wirtschaft/weitere anwendungs-orientierte Zusammenarbeit
Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und-direktoren (KKJPD) Schweiz (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Industrie/Wirtschaft/weitere anwendungs-orientierte Zusammenarbeit

Wissenschaftliche Veranstaltungen

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
9. Freiburger Strafvollzugstage Vortrag im Rahmen einer Tagung Arbeiten im schweizerischen Justizvollzug – Belastungen und Schutzfaktoren 11.11.2014 Fribourg, Schweiz Isenhardt Anna;
Colloque "Charges, pressions et difficultés auxquelles sont confrontés les professionnels qui interviennent quotidiennement en milieu carcéral", Centre suisse de formation pour le personnel pénitentiaire (CSFPP) Vortrag im Rahmen einer Tagung Le quotidien du personnel pénitentiaire 26.09.2014 Fribourg, Schweiz Hostettler Ueli;
14th Annual Conference of European Society of Criminology Vortrag im Rahmen einer Tagung Prison staff subjectivities in a late-modern criminal justice system. A Swiss example 11.09.2014 Prag, Tschechische Republik Young Christopher;
13. Tagung der KrimG "Risiken der Sicherheitsgesellschaft" Vortrag im Rahmen einer Tagung Belastungen des Strafvollzugs-personals in der Schweiz - Der Einfluss von Einstellungen gegenüber InsassInnen, Strafeinstellungen und wahrgenommenen öffentlichen Erwartungen auf die Bewältigung von arbeitsbedingtem Stress 26.09.2013 Freiburg, Schweiz Hostettler Ueli; Young Christopher; Isenhardt Anna;
8. Freiburger Strafvollzugstage Poster Entstehung von Gewalt und Fehlverhalten der Insassen im institutionellen Kontext 20.11.2012 Freiburg, Schweiz Hostettler Ueli; Budowski Monica; Isenhardt Anna;
8. Freiburger Strafvollzugstage Poster Sicherheit – Alltag des Strafvollzugspersonals: Eine Studie zu Dispositiven, Praxis, Diskursen und Einstellungen im geschlossenen Strafvollzug der Schweiz 20.11.2012 Fribourg, Schweiz Young Christopher; Hostettler Ueli; Budowski Monica; Isenhardt Anna;
Annual Conference of the European Society of Criminology (Eurocrim) Vortrag im Rahmen einer Tagung The Impact of Staff Characteristics and Work Group Climate on the Emergence of Interpersonal Violence in Swiss Prisons 15.09.2012 Bilbao, Spanien Isenhardt Anna;
Institutskolloquium des Instituts für Sozialanthropologie der Universität Bern Vortrag im Rahmen einer Tagung Sicherheit – Alltag des Strafvollzugspersonals: Eine Studie zu Dispositiven, Praxis, Diskursen und Einstellungen im geschlossenen Strafvollzug der Schweiz 02.05.2012 Bern, Schweiz Young Christopher; Isenhardt Anna; Hostettler Ueli;
Internationale Tagung: Praktiken, Akteure und Räume der Einsperrung: Zirkulationen und Transfers, Centre Marc Bloch / Humboldt-Universität Vortrag im Rahmen einer Tagung Räume der Normalisierung: Wie sich Bildungsräume im Gefängnis der Logik des Freiheitsentzugs widersetzen 01.12.2011 Berlin, Deutschland Hostettler Ueli;
Internationale Tagung: Praktiken, Akteure und Räume der Einsperrung: Zirkulationen und Transfers, Centre Marc Bloch / Humboldt-Universität Vortrag im Rahmen einer Tagung Sicherheit oder Therapie? Divergierende Diskurse in einer Therapieabteilung einer Schweizer Justizvollzugsanstalt 01.12.2011 Berlin, Deutschland Young Christopher;


Veranstaltungen zum Wissenstransfer

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
Schweizer Methodenfestival – Qualitative Forschungsmethoden und Mixed Methods Designs Vortrag 16.09.2011 Basel, Schweiz


Selber organisiert

Titel Datum Ort
Kolloquium mit Praxispartner: Personal im Justizvollzug - Eine gesamtschweizerische Sicht 25.06.2013 Freiburg, Schweiz

Kommunikation mit der Öffentlichkeit

Kommunikation Titel Medien Ort Jahr
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Arbeitszufriedenheit. Schweizer Personal in Gefängnissen zufrieden Solothurner Zeitung Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Das Gefängnispersonal der Schweiz ist mit seiner Arbeit mehrheitlich zufrieden Medienmitteilung International Westschweiz Italienische Schweiz Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien FNS: personale carceri, più rischio burnout in Ticino e Romandia Ticino News Italienische Schweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Gardien de prison: un métier mal perçu ATS - Agence Télégraphique Suisse Westschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Gefängnisangestellte zufrieden Bündner Tagblatt Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Gefängnispersonal ist laut Studie zufrieden mit der Arbeit NZZ Online Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien I "secondini" ticinesi sono a rischio burnout Giornale del Popolo Italienische Schweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Jedem Zehnten droht ein Burne-Out Der Bund Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Jedem Zehnten droht ein Burn-Out Der Bund Online Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien 'Latini' più esposti al burnout in carcere La Regione Ticino Italienische Schweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Les matons mal perçus mais heureux au travail L'Agefi Westschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Personnel pénitentiaire majoritairement satisfait 20 minutes Westschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Personnel pénitentiaire suisse majoritairement satisfait ATS - Agence Télégraphique Suisse Westschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Rischio burnout per i secondini 20 minuti Ticino Italienische Schweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Schweizer Vollzugspersonal ist zufrieden Appenzeller Volksfreund Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Schweizer Vollzugspersonal mehrheitlich mit der Arbeit zufrieden SDA _ Schweizerische Depeschenagentur Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Schweizer Vollzugspersonal mit Job zufrieden - Hohes Burnout-Risiko SDA - Schweizerische Depeschenagentur Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Strafvollzug: Personal in der Schweiz zufrieden Sarganserländer Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Zufriedene Gefängniswärter; Neue Nationalfondsstudie NZZ Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Stress-Job Gefängniswärter. Sie fürchten sich vor aggressiven Häftlingen und Krankheiten Sonntagsblick Deutschschweiz 2013
Neue Medien (Web, Blogs, Podcasts, NewsFeed, usw.) Befragung Freiheitsentzug | Enquête privation de liberté Internet Deutschschweiz Westschweiz 2011

Verbundene Projekte

Nummer Titel Start Förderungsinstrument
143207 Sicherheit im Freiheitsentzug - Die Bedeutung institutioneller Merkmale und individueller Eigenschaften von Insassen und Angestellten für die Sicherheit in Einrichtungen des Schweizer Freiheitsentzugs 01.02.2013 Projektförderung (Abt. I-III)
169495 Arbeiten im schweizerischen Justizvollzug: Eine regelmässige Befragung des Personals, der Gefangenen und der Anstalten 01.11.2016 Projektförderung (Abt. I-III)

Abstract

Den Konzepten Sicherheit und Risiko kommt in spätmodernen Gesellschaften eine grosse Bedeutung zu. Sie dienen als Leitmotive in öffentlichen Debatten, bei politischen Entscheidungen und bei der Organisation staatlicher und privater Aktivitäten. Vielfältige Risiken werden identifiziert wie epidemische Krankheiten, Terrorismus oder Kriminalität und deren Kontrolle verlangt. Als bildlich gesprochen letztes Glied in der staatlichen Apparatur der Kriminalitätskontrolle ist das Gefängnis ein Ort, an dem Sicherheit einen zentralen Stellenwert hat. Der Strafvollzug allgemein und insbesondere der geschlossene Strafvollzug ist daher eine geeignete soziale Realität, um zu erforschen, wie Sicherheit und Risiko verstanden und hergestellt werden und wie dadurch Macht ausgeübt wird. Dabei stehen die Organisation des Strafvollzugs und das Handeln des Strafvollzugspersonals im Vordergrund. Was Sicherheit im Strafvollzug bedeutet und wie sie tagtäglich realisiert wird, hängt von einem Geflecht von Diskursen, Wissen, Praktiken, Artefakten und Machtbeziehungen ab, das mit dem Begriff des Dispositivs konzeptualisiert wird. Die Umsetzung von Sicherheit im Strafvollzugsalltag hängt auch von medialen und politischen Diskursen ab, also von Faktoren ausserhalb der geschlossenen „totalen Institution“. Dieses Zusammenspiel auf mehreren Ebenen zu untersuchen, ist Ziel des vorliegenden Projekts. Forschung zum Strafvollzug und seinem Personal ist nicht zuletzt deshalb lohnenswert, weil sie sachlichere politische Debatten und eine gesellschaftliche Selbstreflexion über Zwänge und Ungleichheiten begünstigen kann. Aus einer theoretischen Sicht erlaubt es die Fragestellung, die Verhältnisse zwischen gesamtgesellschaftlichen Diskursen, Strukturen von Organisationen und dem Handeln ihrer Mitglieder in den Blick zu nehmen. Unser Verständnis dieser Wechselwirkungen weist verschiedene Lücken auf. So wird erstens allgemein die Macht von Diskursen postuliert, doch bleibt ungeklärt, wie der Diskurs mit Praktiken der Zugangsregelung, der Sanktionierung usw. zu einem Dispositiv verknüpft wird, um eine Machtwirkung zu erzielen. Zweitens fokussieren diskursanalytische Arbeiten oft öffentliche Diskurse, vernachlässigen jedoch die Frage, wie diese die Strukturen und Diskurse innerhalb von (staatlichen) Organisationen beeinflussen. Schliesslich stellt sich die Frage nach der Artikulation des offiziellen Diskurses in der Anstalt mit der lebensweltlichen, inoffiziellen Praxis und dem Diskurs im Berufsalltag des Personals. Das Projekt hat zum Ziel, ein vertieftes wissenschaftliches Verständnis von Prozessen der sozialen Konstruktion von Sicherheit und Risiko im Kontext des geschlossenen Strafvollzugs der Schweiz zuu erlangen. Dies soll durch die Ausarbeitung, Anwendung und kritische Beurteilung eines theoretischen Modells erfolgen, in dem der Begriff des Sicherheitsdispositivs zentral ist. Dispositiv meint das strategisch angelegte Geflecht von Diskursen (z.B. Reglemente, an Sitzungen usw.), Praktiken (z.B. Disziplinarverfahren, Arbeitsorganisation usw.) und Gegenständlichkeiten (z.B. Architektur), welches die alltägliche Realität der Sicherheit im Strafvollzug ausmacht. Die Untersuchung verläuft in zwei Schritten, erstens wird das heutige Sicherheitsdispositiv rekonstruiert, zweitens wird mittels einer historischen Analyse gezeigt, woraus und wie sich die heutige Situation entwickelt hat. Um diese Fragen empirisch anzugehen, werden ethnographische und diskursanalytische Methoden kombiniert, um die Produktion von Sicherheit, deren Widersprüche und historische Entwicklung in geschlossenen Strafvollzugsanstalten aus einer gesamtschweizerischen Sicht unter Einbezug der drei grösseren Sprachregionen zu untersuchen. Eine fokussierte, teilnehmende Beobachtung wird am Untersuchungsort durchgeführt und durch teilstrukturierte Interviews mit gegenwärtigen und ehemaligen Angestellten der Anstalten sowie der Analyse von Archivdokumenten ergänzt. In Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Ausbildungszentrum für das Strafvollzugspersonal (SAZ) in Freiburg, soll eine standardisierte, schriftliche Erhebung von Einstellungen zu Sicherheit und Strafzweck unter Mitarbeitenden aller schweizerischen Anstalten des geschlossenen Vollzugs durchgeführt werden. Diese ermöglicht es, die Erkenntnisse aus den drei Anstalten in einem gesamtschweizerischen Kontext zu situieren.
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