Project

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Die Anthropologische Differenz: Denken, Sprechen, Handeln

English title The Anthropological Difference: Thought, Speech and Action
Applicant Glock Hans-Johann
Number 130226
Funding scheme ProDoc
Research institution Philosophisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.09.2010 - 30.04.2015
Approved amount 377'605.00
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Keywords (13)

philosophical anthropology; anthropological difference; animal minds; concepts; animal reasoning; animal agency; lingualism; human - animal divide; human nature; differentialism vs. assimilationism; rationality; intentionality; philosophy of biology

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Seit der Antike beschäftigen sich Philosophie, Theologie und Naturwissenschaften mit dem Verhältnis zwischen uns Menschen und den (nicht-menschlichen) Tieren. Gibt es eine "anthropologische Differenz", eine Eigenschaft oder Fähigkeit, die uns Menschen qualitativ von allen anderen Tieren absetzt? Während sogenannte Differentialisten dies bejahen, behaupten sogenannte Assimilationisten, die Unterschiede zwischen Mensch und Tier seien lediglich qualitativer bzw. gradueller Art. Über die Jahrhunderte sind verschiedene Kandidaten für eine anthropologische Differenz vorgeschlagen worden, u. a. Sprache, Rationalität, Selbstbewusstsein, Kultur, Sinn für Vergangenheit und Zukunft, Moral, etc. Aber alle diese Vorschläge sind umstritten. Ausserdem stellt sich die grundsätzliche Frage, ob die Idee einer antrhopologischen Differenz mit der Evolutionstheorie vereinbar ist oder vielmehr einem unhaltbaren Essentialismus verhaftet bleibt.
Das Projekt geht dieser Problematik aus einer philosophischen Perspektive nach, berücksichtigt dabei aber auch Erkenntnisse der Einzelwissenschaften, insbesondere der Biologie und Kognitionswissenschaften. Im Mittelpunkt stehen zwei Themenkomplexe. Erstens, lässt sich die Idee einer anthropologischen Differenz bzw. einer Sonderstellung des Menschen mit der Evolution und der Existenz von Zwischenformen zwischen Menschen und nichtrationalen Lebewesen vereinbaren? Kann man den vernünftigen Fähigkeiten von Menschen gerecht werden, ohne die Entstehung und Entwicklung dieser Fähigkeiten unverständlich zu machen? Lässt sich die Differenz zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen als Resultat eines Prozesses der Ausdifferenzierung zugrundeliegender Eigenschaften deuten. Zweitens, wie lassen sich die geistigen Fähigkeiten verschiedener nicht-menschlicher Tiere erklären? Kann man die Welt abbilden (Überzeugungen oder Wünsche bezüglich der Welt haben), ohne über Sprache zu verfügen? Wie lässt sich eine solche nicht-sprachliche und vor-rationale "Intentionalität" fassen? Und wie soll man sich die Entwicklung des sprachlichen und rationalen Denkens aus solchen Vorstufen vorstellen?
Das Projekt liefert nicht nur Beiträge zur Philosophie des Geistes und zur Philosophie der Biologie, sondern auch zur philosophischen Anthropologie, und damit zu unserem menschlichen Selbstverständnis. Darüber hinaus ist das Verhältnis des Menschen zu Tieren ein im öffentlichen Bewusstsein präsentes Kernproblem der zeitgenössischen Kultur, vor allem aufgrund seiner ethischen Implikationen unser Verhalten gegenüber Tieren betreffend.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Sprache und Geist
Glock Hans-Johann (2014), Sprache und Geist, in Kolmer A. Meyer M. and Stark E. (ed.), 85-100.
Animal Minds: a Non-Representationalist Approach
Glock Hans-Johann (2013), Animal Minds: a Non-Representationalist Approach, in American Philosophical Quarterly, 50, 213-232.
Anthropologische Differenz: Spezies-Unterschied oder Unterschied der Lebensprinzipien?
Kottmann Astrid (2013), Anthropologische Differenz: Spezies-Unterschied oder Unterschied der Lebensprinzipien?, in Jahrbuch der schweizerischen philosophischen Gesellschaft, 72, 189-204.
Eine forschungsstrategische Überlegung zur Erklärung geistiger Fähigkeiten
Wunder André (2013), Eine forschungsstrategische Überlegung zur Erklärung geistiger Fähigkeiten, in Hügli Anton (ed.), 57-69.
Nichtwillentliche Aktivität
Wunder André (2013), Nichtwillentliche Aktivität, in Hoeltje Miguel et. al. (ed.), 287-296.
Animals: Agency, Reasons and Reasoning
Glock Hans-Johann (2012), Animals: Agency, Reasons and Reasoning, in Nida-Rümelin J./Özmen E. (ed.), XXII, 900-913.
Non-Human Knowledge and Non-Human Agency
Glock Hans-Johann (2012), Non-Human Knowledge and Non-Human Agency, in Tolksdorf S. (ed.), 521-551.
The (Limited) Space for Justice in Socials Animals
Glock Hans-Johann/(with Christen M.) (2012), The (Limited) Space for Justice in Socials Animals, in Social Justice Research , 25, 298-326.
The Anthropological Difference
Glock Hans-Johann (2012), The Anthropological Difference, in Royal Institute of Philosophy, Supplement 70, Supplement 70.
Thought, Judgement and Perception
Glock Hans-Johann (2012), Thought, Judgement and Perception, in Grazer Philosophische Studien, 86, 207-221.
Interdisciplinary Anthropology
Singer Wolf, Wunder Andre, Welsch Wolfgang (ed.) (2011), Interdisciplinary Anthropology.
Intentionalität
Glock Hans-Johann, Intentionalität, in Ferrari Arianna and Petrus Klaus (ed.), 170-173.
Mental Capacities and Animal Ethics
Glock Hans Johann, Mental Capacities and Animal Ethics, in Wild Markus/ Petrus Klaus (ed.), (transcript), Bielefeld, 113-146.
Sprache
Glock Hans-Johann, Sprache, in Ferrari Arianna and Petrus Klaus (ed.), 327-329.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Evolutionary Cognition Group/Anthropological Institute UZH Switzerland (Europe)
- Publication

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Das Mensch/Tier Verhältnis Talk given at a conference Was machte den Menschen zum Menschen 05.06.2015 Bochum, Germany Glock Hans-Johann;
Vortragsreihe Individual talk Animal Minds and Animal Welfare 02.05.2015 Salzburg, Austria Glock Hans-Johann;
Aristotle's Anthropology Talk given at a conference Aristotle's Contribution to the Philosophy of Animal Minds 20.02.2015 Berlin, Germany Glock Hans-Johann;
Ringvorlesung Individual talk Die Anthropologische Differenz 13.01.2015 Erfurt, Germany Glock Hans-Johann;
Institutsvorlesung Individual talk Der Hund von Chrysippus--Intelligenz und Handeln bei Tieren 18.12.2014 Erfurt, Germany Glock Hans-Johann;
Anthropology and Normativity Talk given at a conference Surely some mistake! 07.11.2014 Münster, Germany Glock Hans-Johann;
Traditions of Knowledge Talk given at a conference What makes us human 25.08.2014 Athens, Greece Glock Hans-Johann;
Colloquium Individual talk What makes us human 28.04.2014 Fribourg, Switzerland Glock Hans-Johann;
The Animal Turn in the Law Talk given at a conference All animals are different--but some are more different than others 04.04.2014 Basel, Switzerland Glock Hans-Johann;
Talk im Turm Talk given at a conference Was uns schlau macht 17.03.2014 Zürich, Switzerland Glock Hans-Johann;
Ringvorlesung Tiere Individual talk Wann ist ein Tier ein Tier 20.02.2014 Zürich, Switzerland Glock Hans-Johann;
Seeing As Talk given at a conference Perceiving as, recognizing as, treating as 13.12.2013 Wien, Austria Glock Hans-Johann;
Anthropologie und Normativität Talk given at a conference The Normativity of Meaning 08.11.2013 Hanse Wissenschaftskolleg, Delmenhorst, Germany Glock Hans-Johann;
Why Philosophy Matters Individual talk Why Animals Matter 16.10.2013 Oxford, Great Britain and Northern Ireland Glock Hans-Johann;
Colloquium Individual talk The anthropological difference 08.12.2012 Cordoba, Argentina Glock Hans-Johann;
Wittgenstein, Enactivism and Animal Minds Talk given at a conference Animal Minds--a non representationalist approach 08.07.2012 Hertfordshire, Great Britain and Northern Ireland Glock Hans-Johann;
Glock on Animal Minds Talk given at a conference Animal Minds, Conceptual Problems 08.06.2012 Essen , Germany Glock Hans-Johann;


Self-organised

Title Date Place
Summer School "Animal Minds" 25.08.2014 St. Blasien, Germany
Die Anthropologische Wende 10.05.2012 Zürich, Switzerland

Awards

Title Year
Alexander-von-Humboldt Foundation Research Prize 2014

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
118728 Menschliches Leben 01.08.2008 ProDoc
126968 Vernünftige Fähigkeiten und natürliche Funktionen 01.08.2011 Project funding (Div. I-III)
177630 The structure and development of understanding actions and reasons 01.09.2018 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Ausgangspunkt des Pro-Doc AMs ist das menschliche Leben. Dabei geht es insbesondere um die Frage, inwiefern wir das spezifisch menschliche Leben als rein natürliches Phänomen auffassen können, das sich durch die Mittel der Naturwissenschaften erschöpfend beschreiben lässt. Die Frage nach dem spezifisch menschlichen Leben verweist aber unmittelbar auf die Frage nach dem Unterschied zwischen menschlichem und nicht-menschlichem Leben, oder allgemeiner auf den Unterschied zwischen Menschen und nicht-menschlichen Tieren (von nun an schlicht ‚Tiere’ genannt). Damit wird eine Problematik berührt, die in der anthropologischen Wende der Gegenwartsphilosophie eine zentrale Rolle spielt. Gibt es zwischen Homo Sapiens einerseits und allen anderen Tierarten anderseits einen fundamentalen qualitativen Unterschied-etwas, das man ‚die anthropologische Differenz’ nennen könnte? Falls es eine solche anthropologische Differenz gibt, dann ist sie im Bereich unserer geistigen Fähigkeiten anzusiedeln. Das FM verknüpft die Frage nach dem menschlichen Leben daher mit der Frage nach dem Geist der Tiere. Dabei dienen „Denken“, „Sprechen“ und „Handeln“ als Leitbegriffe: Wenn uns überhaupt etwas sogar vor hochentwickelten Tieren auszeichnet, so ist es primär der Besitz ‚höherer’ geistiger Fähigkeiten, die man unter dem Begriff des Denkens zusammenfassen kann. Und seit jeher ist der Haupteinwand gegen die Idee, Tiere könnten denken, dass dazu sprachliche Fähigkeiten notwendig sind. Ein ‚lingualistisches Leitargument’ lautet: ohne Begriffe kein Denken; ohne Sprache keine Begriffe; Tiere haben keine Sprache; also können sie auch nicht denken. Alle Prämissen dieses Arguments sind jedoch kontrovers. Viele Einwände laufen darauf hinaus, dass auch nicht-sprachliches tierisches Verhalten so komplex und flexibel sein kann, dass es durch intentionale Zustände und Überlegungsprozesse erklärt werden muss. Lingualisten wiederum geben zu bedenken, dass man nur dort von Überlegen und intentionalem Handeln sprechen kann, wo auch ein an Sprache gebundenes Vermögen vorliegt, Handlungen zu begründen. Die Suche nach der anthropologischen Differenz verweist daher auf eine Reihe miteinander verknüpfter Fragen: Können Tiere denken? Können Tiere sprachlich kommunizieren? Gibt es Denken ohne Begriffe? Begriffe ohne Sprache? Können Tiere handeln? Der Forschungsschwerpunkt soll dazu beitragen, diese Fragen zu klären und zu beantworten. Damit beteiligt er sich an hoch aktuellen Diskussionen in der Philosophie des Geistes, der Philosophie der Sprache und der Handlungstheorie, bezieht sich in diesem philosophischen Rahmen aber auch auf Debatten und Ergebnisse in den Bio- und Kognitionswissenschaften, insbesondere in der kognitiven Ethologie.
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