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Oper als 'Gesamtkunstwerk' - zum Verhältnis der Künste im barocken Musiktheater

English title Opera as 'Gesamtkunstwerk' - on the interrelation of the arts in baroque music-theatre
Applicant Fischer Christine
Number 129268
Funding scheme DORE conferences
Research institution Schola Cantorum Basiliensis Musik Akademie Basel FHNW
Institution of higher education University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland (without UTE) - FHNW
Main discipline Music, Theatre
Start/End 01.11.2009 - 31.01.2010
Approved amount 10'000.00
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All Disciplines (3)

Discipline
Music, Theatre
Theatre and Cinema
Visual arts and Art history

Keywords (7)

music theatre; baroque; Gesamtkunstwerk; performance analysis; performance practise; gender; transdisciplinary perspective on opera

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Kein Lay-Summary nötig.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
133727 Italienische Oper an deutschsprachigen Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts - transdisziplinäre Untersuchungen zur Aufführungspraxis innerhalb verschiedener Ausprägungen von Kunstpolitik in Absolutismus und Aufklärung 01.05.2011 SNSF Professorships

Abstract

Das SNF-Forschungsprojekt „Opera seria an deutschsprachigen Höfen“ hat sich zum Ziel gesetzt, Oper nicht als disziplinäres Phänomen zu betrachten, sondern die Beiträge von Musik, Text und Bild gesamthaft zu untersuchen und sich ihrem Verhältnis zueinander in konkreten historischen Aufführungen anzunähern. Der dazu nötige Blick über die imaginären und erfahrbaren Ränder der Disziplinen hinaus liess einen methodischen Brennpunkt dieser Betrachtungsweise im Terminus „Gesamtkunstwerk“ erkennbar werden. Die Unterschiede in Definition und Umgang mit dem Begriff in den am Forschungsprojekt massgeblich beteiligten Disziplinen der Musikwissenschaft, der Kunstgeschichte und der Theaterwissenschaft sind erheblich: Ist für die Musikwissenschaft ein Gebrauch des Terminus bei und nach Richard Wagner zentral, bezieht sich „Gesamtkunstwerk“ in der Theaterwissenschaft oft allumfassend auf die Koexistenz der Künste in der Aufführung - auch im Barock. Die Kunstgeschichte wiederum hat einen spezifischen Inhalt des Begriffs unter anderem mit Schwerpunktlegung auf den Barock festgemacht: das Zusammenwirken der verschiedenen Bildkünste im - zumeist sakralen - Raum. Bei der Tagung soll es nicht nur darum gehen, sich verschiedenen Definitionsformen von „Gesamtkunstwerk“ und ihren Voraussetzungen und Implikationen bewusst zu werden - und gerade höfische Festoper zeigt in vielen Fällen in der Weisungsgebundenheit aller beteiligten Kunstschaffenden gegenüber einer Zentralinstanz eine große Nähe zum zielgerichteten Zusammenwirken der Künste, also zu einer der auf das späte 19. Jahrhundert fixierten Komponenten der musikwissenschaftlichen Definition des Terminus. Viel mehr soll auch im Dienste des Verständnisses einer zeitgenössischen Wirkungsweise von Oper bis ca. 1760 das Verhältnis und der Anteil der verschiedenen Künste am Ereignis „Aufführung“ zum Thema werden - jeweils verstanden als grundlegendes Wissen für historisch informierte heutige Aufführungen. Dies schliesst Diskussionen über das Verhältnis von Operntheorie und Geschichtsschreibung zur zeitgenössischen Praxis ebenso ein wie eine Annäherung an konkrete historische Aufführungen oder an den Stellenwert von Oper im Zusammenhang höfischer Festlichkeiten, die ihrerseits wiederholt als „Gesamtkunstwerke“ beschrieben werden. Auch die Frage nach der Darstellung von Geschlecht durch die Künste und in ihrem Verhältnis zueinander ist Gegenstand der Tagung.Sektion 1: Gattungstheorie und "Gesamtkunstwerk"Seit Entstehung der Oper findet eine theoretische Reflexion darüber statt, wie die Künste in der Oper zu einer idealen Ergänzung zusammengeführt werden können. Dabei wird in den „Gründungs-“ wie in den Erneuerungsschriften immer wieder vor dem Hintergrund eines Idealbilds des antiken Dramas argumentiert. Diese Gattungstheorie wirkte sich prägend auf die Operngeschichtsschreibung aus, die seit ihren Anfängen die geschichtlichen Abschnitte auch anhand des jeweiligen Gleichgewichts beziehungsweise Ungleichgewichts der beteiligten Bühnenkünste beschreibt. Die Sektion der Tagung möchte sich mit dem Kreislauf von Theoriebildung und Konkretisierung in der Aufführung auseinandersetzen, der für das Verständnis der Funktionsweisen des damaligen Zusammenwirkens der Künste in Opernaufführungen massgeblich ist. Sektion 2: Vernetzung der BühnenkünsteZiel dieser Sektion ist es, ein Panorama der Vernetzung von Aufführungsparametern der Oper des 17. und 18. Jahrhundert in ihren zahlreichen Einfluss- und Erscheinungsformen aufzureißen. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf „kunstübergreifende“ Strukturen und Wirkungsweisen der Aufführung gelegt werden: Zeit, Raum sowie die kollektive Vermittlung von Affekt, Identität und Hierarchie. Sektion 3: Methode: „Rekonstruktion“ und AufführungsanalyseBei der Auseinandersetzung mit der Beschaffenheit historischer Aufführungen befinden wir uns im Spannungsfeld zwischen - auf zeitgenössisches Theater ausgerichteten - Analysemethoden der Theaterwissenschaft, Interpretationsforschung und historischem Instrumentarium zur Kritik der Quellen, die uns von und zu den Aufführungen überliefert sind. Eine Annäherung an historische Opernaufführungen scheint nur in einer sinnvollen Verschränkung dieser Ansätze möglich - deren konkrete Ausformungen sind methodisch jedoch bisher nicht fundiert. In einer Auseinandersetzung mit historischen Medien der Aufführungsdokumentation und Möglichkeiten einer „Historisierung“ von Methoden der Aufführungsanalyse möchte diese Sektion neue Annäherungsweisen an historische Operndarbietungen thematisieren.Neben einer übergeordneten Fokussierung der wissenschaftlichen Fragestellung auf die Aufführungspraxis, wird der Praxisbezug durch die Wiederaufnahme der im Mai und Juni stattgehabten und in der internationalen Presse durchweg positiv aufgenommenen Aufführungen von Alessandro Scarlattis Oper "Penelope la casta" prononciert: Die erst seit kurzem musikalisch wieder vollständig zugängliche Oper wurde in einer neuzeitlichen Uraufführung in Zusammenarbeit zwischen der Opernklasse der Schola Cantorum Basiliensis, des dortigen Kurses Maestro al cembalo und des SNF-Forschungsprojektes "opera seria" bewerkstelligt. Die Uraufführung von 1696 am Teatro San Bartolomeo in Neapel und ihr Umfeld wurden von Christine Fischer wissenschaftlich erkundet und bildeten den historischen Wissenshorizont der Inszenierung, die die Oper informiert vermitteln will, ohne zu "rekonstruieren". Die Zusammenarbeit mit professionellen Theaterpraktikern (u.a. Regie: Manfred Weiss, Bühnenbild: Marion Menziger, Theater Basel) liessen Möglichkeiten und Grenzen der gegenseitigen Einflussnahme von Wissenschaft und Praxis zum zentralen Gegenstand der Inszenierungsarbeit werden. Somit werden im Rahmen der Tagung einem internationalen Fachpublikum praktische und wissenschaftliche Ergebnisse der Auseinandersetzung mit barockem Musiktheater vor- und zur Diskussion gestellt.Die ReferntInnen der Tagung (siehe Liste) sind ausgewiesene ExpertInnen verschiedener Fachrichtungen, deren Forschungsansätze den Horizont ihrer Heimatdisziplinen (Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte, Philosophie, Germanistik) überschreiten. Im Rahmen eines Doktorandenkolloquiums sollen DoktorandInnen verschiedener Disziplinen, darunter auch eine Mitarbeiterin der SNF-Förderungsprofessur, ihre Arbeiten präsentieren und vom Austausch untereinander als auch von der Anwesenheit eines hochkarätigen Fachpublikums profitieren.
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