Project

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"Doing quality": Diskursive Konstruktionen medizinischer Qualität am Beispiel der Schweizer Hausarztmedizin

English title "Doing quality": the discursive construction of medical quality using the example of Swiss family medicine
Applicant Abraham Andrea
Number 129063
Funding scheme Marie Heim-Voegtlin grants
Research institution Institut für Sozialanthropologie Philosophisch-historische Fakultät Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Ethnology
Start/End 01.02.2010 - 30.04.2012
Approved amount 151'246.00
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Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Lead:
Mit der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes 1996 wurde Qualitätssicherung in der Schweizer Medizin gesetzlich verankert. Damit begann eine langjährige, zähe Kontroverse über die Definition und Messung von Qualität in der Grundversorgung. In diesem Projekt wird am Beispiel der Hausarztmedizin untersucht, wie Qualität zu einem zentralen Begriff geworden ist, und auf welche Weise Akteure diesen Begriff verwenden.

Ziel:
Diesen Qualitätsdiskurs erforscht dieses Projekt am Beispiel der Schweizer Hausarztmedizin. Dabei wird von einem sozialkonstruktivistischen Qualitätsverständnis ausgegangen, das Qualität als ein perspektiven- und interessengebundenes soziales Konstrukt definiert, das von Akteuren geschaffen und interpretiert wird, und um welches sie ringen. Qualität stellt aus einer solchen Betrachtungsweise das zentrale Verhandlungsgut zwischen den unterschiedlichen Akteuren in der Grundversorgung dar. Das Projekt analysiert, auf welche Weise Qualität als stellvertretender rhetorischer Begriff und Argumentarium eingesetzt wird, wenn es um die Durchsetzung und Legitimation eigener Interessen und Standpunkte geht: Was meinen die verschiedenen Akteure, wenn sie von Qualität sprechen? Mit welchen Diskursen ist ihre Qualitätsrhetorik verbunden? Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich dieses Projekt und verwendet dazu methodische Ansätze aus der qualitativen Sozialforschung. Das ethnografische Datenkorpus besteht dabei aus Interviews mit Hausärztinnen und Hausärzten, von ihnen verfassten Fallnarrationen, teilnehmender Beobachtung und aus standespolitischen Dokumenten.

Bedeutung:
Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung zur Konzeptualisierung von Qualität in der (Hausarzt-) Medizin fehlt weitgehend. Gerade weil aber durch die aktuellen politischen Entwicklungen in diesem Feld unterschiedliche wirtschaftliche und standesbezogene Interessen bestehen, ist unabhängige akademische Forschung besonders notwendig. Der Beitrag dieses Projekts liegt darin, das bislang sozialwissenschaftlich nur marginal erforschte, aber an gesundheitspolitischer Relevanz kaum zu übertreffende Phänomen der medizinischen Qualität am Beispiel der Schweizer Hausarztmedizin zu reflektieren und entsprechende Begrifflichkeiten und theoretische Konzept zu entwickeln.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Geschichten über Körper, Krankheit und Kontext: Zur Untrennbarkeit von Narration und Medizinanthropologie
Abraham Andrea (2012), Geschichten über Körper, Krankheit und Kontext: Zur Untrennbarkeit von Narration und Medizinanthropologie, in Frei-Erb Martin (ed.), 43-54.
Wie „soft facts“ die Hausarztmedizin formen: Nachdenken über Komplexität
Abraham Andrea, Kissling Bruno (2011), Wie „soft facts“ die Hausarztmedizin formen: Nachdenken über Komplexität, in PrimaryCare, 11(5), 78-79.
Varianz als Norm. Hausärztliche Vorstellungen von guter Medizin
Abraham Andrea (2010), Varianz als Norm. Hausärztliche Vorstellungen von guter Medizin, in Schweizerische Ärztezeitung, 91(49), 1967-1970.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Health and Public Health (Swiss Graduate Program in Anthropology) 14.04.2011 Universität Lausanne
Narrative Medizin – Erzählende Medizin 11.01.2010 Universität Bern
Medical Anthropology at the Intersections 24.09.2009 Yale University


Self-organised

Title Date Place
Datenanalyse in der Grounded Theory 19.06.2010 Universität Bern
30 years Alma Ata. Primary Health Care and social equity - illusion or reality? 12.09.2008 Universität Basel

Abstract

Mit der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes 1996 wurde Qualitätssicherung in der Medizin gesetzlich verankert. Damit begann eine langjährige, zähe Kontroverse über die Definition und Messung von Qualität in der Grundversorgung. Diesen Qualitätsdiskurs möchte ich am Beispiel der Schweizer Hausarztmedizin aus Sicht von HausärztInnen erforschen. Ich gehe dabei von einem sozialkonstruktivistischen Qualitätsverständnis aus, das Qualität als etwas definiert, das von Akteuren geschaffen und interpretiert wird, und um das zwischen ihnen gerungen wird. Qualität stellt aus einer solchen Betrachtungsweise das zentrale Verhandlungsgut zwischen den Akteuren in der Grundversorgung dar. Ich werde in meiner Dissertation zeigen, wie Qualität als stellvertretender rhetorischer Begriff und als Argumentarium eingesetzt wird, wenn es um die Durchsetzung und Legitimation eigener Interessen und Standpunkte geht: Was meinen die verschiedenen Akteure, wenn sie von Qualität sprechen? Mit welchen Diskursen ist ihre Qualitätsrhetorik verbunden? Mit diesen und weiteren Fragestellungen befasst sich mein Dissertationsprojekt und verwendet dazu methodische Ansätze aus der qualitativen Sozialforschung.
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