Project

Back to overview

Exegetischer Kommentar zu den Esther-Büchern

English title An Exegetical Commentary to the Books of Esther
Applicant Uehlinger Christoph
Number 126862
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Religionswissenschaftliches Seminar Theologische Fakultät Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.01.2010 - 31.12.2011
Approved amount 198'415.00
Show all

Keywords (6)

Books of Esther; Hebrew Bible/Greek Old Testament; Intertextuality; Judaism and Christianity; Gender; Exegetical commentary

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Das biblische Buch Esther handelt davon, wie dank des Engagements der Protagonistin, der jüdischen Gemahlin eines persischen Königs, das jüdische Volk der Gefahr der Ausrottung entrinnen konnte. Die hebräische Fassung der legendarischen Erzählung hat im Judentum als Festrolle des Purimfests bis heute große Bedeutung. Neben dieser Textform, auf die sich in der christlichen Tradition die protestantischen Kirchen beziehen, existiert jedoch seit der Antike eine deutlich längere, griechische Textfassung ebenfalls jüdischer Herkunft, die für die altkirchliche (katholisch und orthodox rezipierte) Tradition kanonischen Status erlangt hat. Vier mittelalterliche Handschriften bezeugen zudem eine kürzere griechische Textform. Die drei Textformen weichen nicht nur hinsichtlich der literarisch-narrativen Bearbeitung des Themas voneinander ab, sie setzen auch theologisch unterschiedliche Akzente. Seit den 1980er-Jahren sind die einzelnen Fassungen und ihr Verhältnis zueinander insbesondere im angelsächsischen Raum Gegenstand intensiver Diskussionen geworden. In der exegetischen Kommentarliteratur werden diese Debatten aber nur ungenügend reflektiert. Die Kommentare stellen entweder allein den hebräischen Text ins Zentrum; oder sie widmen sich den "Zusätzen" der griechischen Langfassung, ohne diese in ihrem genuinen literarischen Zusammenhang zu kommentieren. Beide Darstellungsweisen können den aktuellen Forschungsstand nicht angemessen wiedergeben.Das vorliegende Projekt will demgegenüber neue Wege gehen. Dem Programm der renommierten Reihe "Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament" entsprechend wird der Fokus auf die Endtexte und deren Rezeptionen gerichtet, damit auch die jüdischen und christlichen Auslegungstraditionen in den Blick genommen. Die Interpretation soll den unterschiedlichen Profilen der verschiedenen Estherbücher Rechnung tragen und sie intertextuell zueinander in Beziehung setzen. Für die hebräische Textfassung wird der Kommentar der jüdischen Exegetin Adele Berlin zugrunde gelegt, für die griechischen Textfassungen ein eigener Kommentar verfasst. Neue Akzente sollen auch durch die Berücksichtigung feministisch-exegetischer Fragestellungen gesetzt werden. Dass in der Estherliteratur Sexismus und die Idealisierung einer Königin Hand in Hand gehen, hat schon früh zu feministischen Auseinandersetzungen mit den Texten Anlass gegeben. Der Kommentar soll auch die Lesarten und Erkenntnisse dieser neueren Auslegungstradition zur Sprache bringen.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Review Vialle, Catherine, Une analyse comparée d'Esther TM et LXX: Regard sur deux récits d'une même histoire (BETL, 233; Leuven: Peeters, 2010); ISBN 978-90-429-22
Bachmann Veronika (2011), Review Vialle, Catherine, Une analyse comparée d'Esther TM et LXX: Regard sur deux récits d'une même histoire (BETL, 233; Leuven: Peeters, 2010); ISBN 978-90-429-22, in Journal of Hebrew Scriptures, 11, 1-2.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Workshop "Inszenierung königlicher Macht im Alten Israel und seiner Schriftkultur" 03.12.2011 Universität Zürich
Conférence "Les vieilles versions latines de la Bible - Le cas particulier d'Esther (avec Prof. Dr. Jean-Claude Haelewyck, Louvain-la-Neuve) 05.10.2011 Université de Genève


Self-organised

Title Date Place
Esther-Workshop 01.11.2010 Universität Zürich

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
137698 Exegetischer Kommentar zu den Esther-Büchern 01.01.2012 Project funding (Div. I-III)
137698 Exegetischer Kommentar zu den Esther-Büchern 01.01.2012 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Das biblische Buch Esther (in der jüdischen Tradition: Megillat Esther) ist in seiner hebräischen Fassung Teil der jüdischen Bibel (bzw. des TaNaKh). Als Festrolle des Purimfests hat es im Judentum bis heute eine große Bedeutung, zumal die (legendarische) Erzählung davon handelt, wie das jüdische Volk dank des Engagements einer jüdischen Königsgattin am persi-schen Hof der Gefahr der Ausrottung entrinnen konnte. Neben der hebräischen Textform, auf die sich in der christlichen Tradition die protestantischen Kirchen beziehen, existiert seit der Antike auch eine deutlich längere griechische Textfassung ebenfalls jüdischer Herkunft, die für die altkirchliche (katholisch und orthodox rezipierte) Tradition kanonischen Status erlangte (sog. Septuaginta-Version). Vier mittelalterliche Handschriften bezeugen außerdem eine dritte, nicht weiter rezipierte und gegenüber dem Septuagintatext kürzere Textversion (in der Forschung als Alpha-Text oder lukianischer Text bezeichnet). Die drei Textformen (neben denen als vierte noch eine altlateinische zu nennen wäre) stellen je unterschiedliche Fassungen der Esther-Erzählung dar, die in Hinsicht auf die literarisch-narrative Bearbeitung des Themas stark voneinander abweichen und auch theologisch sehr unterschiedliche Akzente setzen. Moderne Bibelübersetzungen basieren in der Regel auf einer der kanonischen Versionen oder auf einem (artifiziellen) Hybrid von hebräischer Vorlage und griechischen sog. „Zusätzen“. In exegetischen Kommentarwerken zum Buch Esther wird meist nur der hebräische Text kommentiert, der für jüdische und protestantische Bibelausgaben die verbindliche Grundlage darstellt. Wenige Kommentarwerke besprechen die „Zusätze“ separat, aber nicht in deren genuinem literarischen Zusammenhang. Nur vereinzelte Kommentarwerke katholischer oder orthodoxer Provenienz kommentieren den griechischen Langtext in seinem Zusammenhang. In allen Kommentarwerken wird die Existenz verschiedener Textformen zwar erwähnt und evtl. für Hypothesen zur Entstehung bzw. zum Wachstum der Erzählung genutzt; bei der Kommentierung bleibt die Textformenvielfalt dann aber weitgehend unerheblich und folgenlos. Seit den 80er- und 90er-Jahren sind die einzelnen Textversionen und ihr Verhältnis zueinander insbesondere im angelsächsischen Raum Gegenstand intensiver Diskussionen geworden. Die Kommentarliteratur bildet damit zusammenhängende Kontroversen und Forschungsergebnisse aber bislang nur ungenügend ab. Es ist an der Zeit, dass diese Debatten und den aktuellen Forschungsstand auch in die exgetische Kommentarliteratur Eingang finden.Das hier vorgelegte Forschungsprojekt zielt deshalb darauf ab, einen exegetischen Kommentar zum Estherbuch bzw. den Estherbüchern zu verfassen, der dem unterschiedlichen Profil der verschiedenen Textversionen Rechnung trägt, sie intertextuell zueinander in Beziehung setzt und sowohl Fachleuten als auch einem breiteren interessierten Publikum den aktuellen Forschungsstand zu den Estherbüchern und ihrem Verhältnis zueinander präsentiert. Der geplante Kommentar wird in der renommierten Reihe Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament (HThKAT; hrsg. von Prof. Dr. Erich Zenger, Universität Münster) erscheinen. Er soll auch konsequent der Tatsache Rechnung tragen, dass die verschiedenen Textformen in verschiedenen religiösen Traditionen rezipiert worden sind und weiter tradiert werden. Die hebräische Fassung soll zunächst als Teil des jüdischen Kanons gelesen und interpretiert werden: Für diesen Teil wird eine deutsche Übersetzung des von Prof. Dr. Adele Berlin (Uni-versity of Maryland, MD/USA) für die Jewish Publication Society verfassten Kommentars zum hebräischen Estherbuch (erschienen 2001) zugrunde gelegt, inhaltlich um Aspekte erweitert, die bei der Gegenüberstellung mit den griechischen Textformen thematisiert werden müssen, und bibliographisch aktualisiert. Die entscheidende inhaltliche Erweiterung wird darin bestehen, parallel dazu einen Kommentar auch der griechischen Textversionen (namentlich der kanonischen Septuagintafassung) zu erarbeiten. Mit dem Konzept eines intertextuell angelegten Kommentars, in dem eine jüdische Exegetin aus den USA den hebräischen Grundtext und eine europäische Exegetin den griechischen Langtext interpretiert, versucht das Projekt, im Rahmen der formal eher konservativen und oft redundanten Textgattung Kommentar einen innovativen Akzent zu setzen. Die Frage nach dem Verhältnis der Versionen zueinander soll auf verschiedenen Ebenen (Inhalt, narrative Entfaltung, Text-, Redaktions- und Rezeptionsgeschichte …) bearbeitet wer-den. Auf jüdischer wie christlicher Seite haben nicht zuletzt feministische Exegetinnen die Brisanz der Estherliteratur für Fragen um Geschlechterrollen ins Blickfeld gerückt. Deshalb sollen in dem Kommentar auch Genderaspekte generell mitbedacht sowie ein Überblick auch über den Stand der feministischen Diskussionen zum Estherbuch bzw. zu den Estherbüchern vermittelt werden.Die Reihe HThKAT entspricht dem integrativen Anliegen des Projekts: Auf methodischer Ebene ist es ein Ziel, neben der historisch-kritischen Analyse die Makrostrukturen des jeweiligen Endtextes und dessen theologische Interpretation herauszuarbeiten. Der Fokus auf den End-text bzw. die Endtexte und ihre Rezeptionen lässt die jüdischen und christlichen Auslegungstraditionen in den Blick kommen. Indem auch die feministische Forschung zur Estherliteratur Beachtung finden soll, wird eine Integration angestrebt, die in der exegetischen Literatur des deutschsprachigen Raums weniger fortgeschritten ist als in der angelsächsischen Forschungsliteratur. Das Projekt, für das 2 Jahre veranschlagt sind, wird in enger Kooperation mit Prof. Dr. Adele Berlin durchgeführt werden.
-