Project

Back to overview

Aristotelestransfer, christlich-muslimisches Religionsgespräch und christliche Identitätsbestimmung in Bagdad um 800. Edition und Übersetzung der Briefe 34-41 des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. (780-823)

English title Aristotle, Christian-Muslim dialogue, and Christian identity in Baghdad of 800. Edition and translation of letters 34-41 by Patriarch Timothy I
Applicant Bergjan Silke-Petra
Number 126669
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Theologisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Ecclesiastical history
Start/End 01.10.2009 - 31.01.2013
Approved amount 231'740.00
Show all

Keywords (7)

Aristoteles; Church history; Christian identity; Baghdad; Early Islam; East Syrian Church; Patriarch Timothy I

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Der ostsyrische Patriarch Timotheos I. (im Amt 780-823) ist eine der interessantesten Figuren der ostsyrischen Kirche. Von keinem anderen christlichen Schriftsteller der frühen Abassidenzeit ist ein so umfangreiches Textcorpus erhalten, das in dieser Art einerseits Einblick in den beginnenden Aristotelestransfer, andererseits in die dogmatischen Auseinandersetzungen der verschiedenen christlichen Konfessionen im Abassidenreich gibt und dabei zeigt, wie diese Themen in einer Interdependenz mit der beginnenden Auseinandersetzung zwischen Christentum und Islam stehen. Dieses Textcorpus ist in der bisherigen Forschung wenig beachtet worden. Das hängt daran, dass eine Reihe von Briefen des Timotheos nur schwer zugänglich ist und nicht mit Übersetzungen in modernen Sprachen versehen ist. Das vorliegende Projekt soll die Briefe 34-41 erstmals auf breiter Handschriftenbasis edieren und mit einer Erstübersetzung in eine moderne Sprache versehen. Bei diesen Briefen handelt es sich um meist umfangreiche Traktate, in denen sichtbar wird, wie christliche Identitätsfindung, Abgrenzung und Selbstvergewisserung in Bagdad um 800 in einem religiös vielgestaltigen Kontext stattgefunden hat: Timotheos sah sich genauso wie mit dem Islam auch mit anderen christlichen Konfessionen, v. a. den Westsyrern konfrontiert. Die aristotelische Philosophie und ihre Begriffssprache spielt eine wesentliche Rolle bei den sich dabei abspielenden Prozessen der Verständigung und Abgrenzung. Die Briefe 34-36 und 40 gehören zu den frühesten Zeugnissen der christlich-islamischen Kontroversliteratur, die wegen ihrer aktuellen Thematik bereits zur Zeit des Timotheos rege abgeschrieben wurden. Brief 40 berichtet von einem Religionsgespräch mit einem muslimischen Aristoteliker, während die Briefe 34-36 sich stärker auf den biblisch-patristischen Hintergrund der Selbstvergewisserung und Abgrenzung gegenüber dem Islam in den christlichen Gemeinden eingehen. Brief 41 an die Mönche von Mar Maron gibt reiche Einblicke in die damalige interkonfessionelle Diskussion. Die weitaus kürzeren Briefe 37-39 werden in das vorliegende Projekt miteinbezogen, um möglichst ein geschlossenes Textcorpus umfassen zu können.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Publications

Publication
Die Briefe 30–39 des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. Textedition
Heimgartner Martin (2016), Die Briefe 30–39 des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. Textedition, Peeters, Louvain.
Die Briefe 30–39 des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. Übersetzung
Heimgartner Martin (2016), Die Briefe 30–39 des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. Übersetzung, Peeters, Leuven.
Der ostsyrische Patriarch Timotheos I. (780–823) und der Aristotelismus: Die aristotelische Logik und Dialektik als Verständigungsbasis zwischen den Religionen
Martin Heimgartner (2012), Der ostsyrische Patriarch Timotheos I. (780–823) und der Aristotelismus: Die aristotelische Logik und Dialektik als Verständigungsbasis zwischen den Religionen, in Martin Tamcke (ed.), Harassowitz, Wiesbaden, 11-21.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Apollinaris und seine Folgen Talk given at a conference Neue Fragmente Diodors von Tarsos aus den Schriften »Gegen Apollinaris«, »Gegen die Manichäer« und »Über den heiligen Geist« 22.06.2011 Filzbach/GL, Switzerland Bergjan Silke-Petra;
Metodi, obiettivi e contesti della formazione intellettuale tra tarda antichità e primo Medioevo a Roma, Seleucia-Ctesifonte e Bagdad Talk given at a conference Gli studi aristotelici a Bagdhad alla fine dell’ VIII secolo: Timoteo I, patriarca siro-orientale (780–823), commentatore di Aristotele 16.05.2011 Università degli Studi di Padova, Italy Bergjan Silke-Petra;
Gastvortrag: Aristoteles als Brücke zwischen den Religionen: Die Religionsgespräche des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. (780–823) Individual talk Gastvortrag: Aristoteles als Brücke zwischen den Religionen: Die Religionsgespräche des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. (780–823) 18.04.2011 Universität Göttingen, Germany Bergjan Silke-Petra;
Orientalische Christen und Europa: Kulturbegegnung zwischen Partizipation und Antizipation Talk given at a conference Der ostsyrische Patriarch Timotheos I. (780–823) und der Aristotelismus: Christliche Identitätsfindung in Bagdad um 800 25.06.2010 Universität Göttingen, Germany Bergjan Silke-Petra;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
134522 Der Traktat "Über die Seele" des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. (780-823) an Rabban Boktisho', Oberarzt des Kalifen Harun ar-Rashid: Christliche und islamische Reflexion über die Seele zu Beginn des kulturellen Aufschwungs der Abbasidenzeit 01.06.2011 Project funding (Div. I-III)
162973 Theologie, Philosophie und Alltagsleben der ostsyrischen Christen am Vorabend der klassisch-islamischen Zeit: Letzter Band der Gesamtausgabe der Werke von Patriarch Timotheos I. (kritische Edition und Übersetzung der Briefe 1-29 und Fragmente) 01.02.2016 Project funding (Div. I-III)
143377 Aristoteles als Brücke zwischen den Religionen : Die ostsyrische Kirche zur Zeit des Patriarchen Timotheos I. (780-823) als Vermittlerin zwischen griechischer und arabischer Kultur 01.02.2013 Project funding (Div. I-III)
109740 Briefe 42-58 des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. (780-823). Edition des syrischen Textes und deutsche Übersetzung mit Anmerkungen 01.10.2005 Project funding (special)

Abstract

Der ostsyrische Patriarch Timotheos I. (im Amt 780-823) ist eine der interessantesten Figuren der ostsyrischen Kirche. Von keinem anderen christlichen Schriftsteller der frühen Abassidenzeit ist ein so umfangreiches Textcorpus erhalten, das in dieser Art einerseits Einblick in den beginnenden Aristotelestransfer, andererseits in die dogmatischen Auseinandersetzungen der verschiedenen christlichen Konfessionen im Abassidenreich gibt und dabei zeigt, wie diese Themen in einer Interdependenz mit der beginnenden Auseinandersetzung zwischen Christentum und Islam stehen. Dieses Textcorpus ist in der bisherigen Forschung wenig beachtet worden. Das hängt daran, dass eine Reihe von Briefen des Timotheos nur schwer zugänglich und nicht mit Übersetzungen in modernen Sprachen versehen ist. Das vorliegende Projekt soll die Briefe 34-41 erstmals auf breiter Handschriftenbasis edieren und mit einer Erstübersetzung in eine moderne Sprache versehen. Bei diesen Briefen handelt es sich um meist umfangreiche Traktate, in denen sichtbar wird, wie christliche Identitätsfindung, Abgrenzung und Selbstvergewisserung in Bagdad um 800 in einem religiös vielgestaltigen Kontext stattgefunden hat: Timotheos sah sich genauso wie mit dem Islam auch mit anderen christlichen Konfessionen, v. a. den Westsyrern, konfrontiert. Die aristotelische Philosophie und ihre Begriffssprache spielt eine wesentliche Rolle bei den sich dabei abspielenden Prozessen der Verständigung und Abgrenzung. Die Briefe 34-36 und 40 gehören zu den frühesten Zeugnissen der christlich-islamischen Kontroversliteratur, die wegen ihrer aktuellen Thematik bereits zur Zeit des Timotheos rege abgeschrieben wurden. Brief 40 berichtet von einem Religionsgespräch mit einem muslimischen Aristoteliker, während die Briefe 34-36 sich stärker auf den biblisch-patristischen Hintergrund der Selbstvergewisserung und Abgrenzung gegenüber dem Islam in den christlichen Gemeinden eingehen. Brief 41 an die Mönche von Mar Maron gibt reiche Einblicke in die damalige interkonfessionelle Diskussion. Die weitaus kürzeren Briefe 37-39 werden in das vorliegende Projekt miteinbezogen, um möglichst ein geschlossenes Textcorpus umfassen zu können.
-