Project

Back to overview

Textlosigkeit in der Musik des Mittelalters 800-1300

English title Textlessness in Medieval Music 800-1300
Applicant Llewellyn Jeremy
Number 125617
Funding scheme DORE conferences
Research institution Schola Cantorum Basiliensis Musik Akademie Basel FHNW
Institution of higher education University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland (without UTE) - FHNW
Main discipline Music, Theatre
Start/End 01.02.2009 - 30.04.2009
Approved amount 3'625.00
Show all

Keywords (4)

Textlosigkeit; Mittelalterliche Musik; Historische Musikpraxis; St. Gallen

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Kein Lay-Summary nötig.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
134914 The Reconstruction of Performing Conventions in Aquitanian Repertories of the 11th-13th Centuries 01.10.2011 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Textlosigkeit in der Musik des Mittelalters 800-1300Die Textlosigkeit in musikalischen Repertoires des frühen und hohen Mittelalters wurde bis heute von der Wissenschaft sowie der Praxis eher als ein Randphänomen behandelt oder - genauer - als eine reine Vorstufe zu verschiedenartigen Textierungsvorgängen. Aus den sequentiae - die der St. Galler Mönch Notker Balbulus im neunten Jahrhundert als ‚sehr lange Melodien’ (‚melodiae longissimae’) bezeichnete und die als ausgedehnte Neumenketten in den damaligen Handschriften zu finden sind - wurden prosae oder liturgische Dichtung in Kunstprosa. Aus der Experimentierfreudigkeit der textlosen Klauseln des sogenannten Notre-Dame-Repertoires des 12. und 13. Jahrhunderts entwickelt sich die Raffinesse der mehrsprachigen Motetten. Die vokale Textlosigkeit wurde nach diesem Geschichtsmodell immer wieder gezügelt, was für eine Ausdrucksweise, die für mittelalterliche Theologen und Kommentatoren die unaussprechliche und ja supralinguistische Freude vor dem Schöpfer repräsentieren sollte, ironisch scheint. Die Textlosigkeit bliebe ephemer, exotisch und quasi folgenlos.In einer vor kurzem erschienenen Studie* hat Prof. Dr. Lori Kruckenberg (University of Oregon) jedoch zeigen können, dass das Phänomen der vokalen Textlosigkeit, und deren theologischen Begründung, viel weiter verbreitet und dauerhafter war, als bisher gedacht. Daraus entsteht eine Reihe dringender Fragen, die die historische Musikwissenschaft und Aufführungspraxis gleichermassen beschäftigen (siehe beiliegendes Programm). Ziel des Projektes ist es, eine CD-Produktion mit ausgewählten Beispielen einer wiedergewonnenen mittelalterlichen Textlosigkeit zu realisieren, mitgestaltet und getragen von einem zweitägigen wissenschaftlichen Arbeitsseminar, an dem sowohl ein kleiner Kreis internationaler WissenschaftlerInnen der musikbezogenen Mediävistik, als auch Partner aus der Praxis und fortgeschrittene Studierenden teilnehmen werden.Das geplante Arbeitsseminar wird zwischen übergeordneten Fragestellungen zur Begriffsgeschichte und Historiographie der mittelalterlichen Textlosigkeit einerseits und gezielter musikanalytischer Arbeit an Fallbeispielen aus unterschiedlichen Stilrichtungen und Kontexten andererseits vermitteln. Die aktive Teilnahme international renommierter Sänger - wie Prof. Eric Mentzel, Mitglied des führenden Mittelalter-Ensembles Sequentia und vorgesehener Direktor des CD-Projektes - soll v.a. die analytische Arbeit klanglich-interpretatorisch auffangen und auch umgekehrt neue Impulse für die wissenschaftliche Reflektion geben. Als Hauptresultat werden neue Erkenntnisse über die Kontinuität textloser Praktiken in der Musik des frühen und hohen Mittelalters erbracht; eine Kontinuität, die durch die klangliche Realisierung und musikhistorische Neukontextualisierung verschiedener Erscheinungsformen der vokalen Textlosigkeit exemplifiziert wird. Die Untersuchung einer ‚Musik ohne Worte’ wird auch für die mittelalterliche Musikgeschichte St. Gallens, andere Branchen der Mediävistik, die spätere Musikgeschichte und -praxis und nicht zuletzt die Performativitätsforschung von Interesse sein.*Lori A. Kruckenberg-Goldenstein: ‘Neumatizing the sequence: special performances of sequences in the central Middle Ages’, in Journal of the American Musicological Society Vol. 59 (2006), no. 2, S. 243-317
-