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Rätoromanische Sprachbiographien. Sprache, Identität und Ideologie in Romanischbünden

English title Romansh language biographies. Language, identity and ideology in the Romansh speaking part of Switzerland
Applicant Coray Renata
Number 108647
Funding scheme NRP 56 (Language Diversity and Linguistic Competence in Switzerland)
Research institution Romanisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Sociology
Start/End 01.07.2006 - 31.07.2008
Approved amount 193'083.00
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Keywords (5)

discursive Identitätskontruktion; Sprachbiographieforschung; Sprachbewusstsein; Sprachideologie; Bündenerromanisch

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Das Bündnerromanische wird nur noch von 35'095 Personen in der Schweiz (0,48% der Wohnbevölkerung) als Hauptsprache angegeben. Da diese rezessive Kleinsprache eine der vier offiziellen Landessprachen und ein wichtiges Element des nationalen Selbstverständnisses ist, wird deren Fortbestand mit staatlichen und kantonalen Mitteln gefördert. Dies ist auch der von einer Bildungselite getragenen romanischen Sprachbewegung zu verdanken, die sich schon seit mehr als 100 Jahren für die Erhaltung des Rätoromanischen einsetzt. Dabei konzentriert sie sich nicht nur auf sprachpflegerische, -politische und -rechtliche Massnahmen, sondern auch auf sprachbezogene Sensibilisierungsarbeit. In jüngster Zeit propagiert sie verstärkt die Schaffung bzw. Stärkung einer rätoromanischen Identität. Damit versucht sie, der von ihr konstatierten zunehmenden Gleichgültigkeit gegenüber dem Rätoromanischen entgegenzusteuern und in der Bevölkerung ein überdurchschnittliches Sprachengagement zu fördern. Über die sprachbezogenen Erlebnisse, Sinngebungs- und Identifikationsprozesse der angesprochenen sogenannten Basis, d.h. der nicht in der Spracherhaltungsbewegung aktiven Romanischsprachigen, ist bisher jedoch nur wenig bekannt, weshalb sich eine vertiefte Untersuchung ihrer Sichtweise aufdrängt.
Das Projekt stellt das Spracherleben und Sprachbewusstsein von Angehörigen der romanischsprachigen Basis ins Zentrum. Ihre Erfahrungen als Zweisprachige in einer asymmetrischen romanisch-deutschen Sprachkontaktsituation werden anhand von sprachbiographischen (narrativen) Interviews ermittelt. Untersucht werden soll, welche Sprachen welche Rollen in der Biographie und im Alltag der Befragten spielen, wann, wo und wie diese zum Thema werden und welche sprachrelevanten Ereignisse und Konstellationen sowie aussersprachlichen Faktoren zu einer positiven oder negativen Identifikation mit dem Rätoromanischen beitragen. Von besonderem Interesse wird die Wahrnehmung der sprachlichen Identifikationsangebote und Aktivitäten der romanischen Sprachorganisationen sein.
Aus einer sozialkonstruktivistischen Perspektive ist Identität ein primär sprachlich vermittelter sozialer Konstruktionsprozess zwischen Individuum und Gesellschaft. Anhand von rätoromanischen Sprachbiographien lassen sich folglich diskursive Identifikationsprozesse rekonstruieren und Aussagen zur Bedeutung rätoromanischer und anderer sprachlicher Varietäten für die Konstruktion individueller und kollektiver Identitäten ableiten. Die darin zum Ausdruck kommenden Vorstellungen, Einstellungen und Bewertungen bezüglich Sprache und Sprachsituation sind aufschlussreich für vorhandene Orientierungs- und Verhaltensdispositionen. Sie lassen auch Rückschlüsse auf Übernahme oder Ablehnung der Sprachideologie der Spracherhaltungsbewegung zu. Die aus diesen Sprachbiographien ermittelbaren Faktoren, die das Spracherleben und Sprachbewusstsein positiv oder negativ beeinflussen, geben zudem Hinweise auf sinnvolle sprachpolitische Massnahmen zugunsten der Erhaltung und Förderung des Rätoromanischen.

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

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